Seit zwei Wochen ist die 17-jährige Melanie Gonzalez aus Costa Rica an der Lüderitzer Grundschule zu Gast. Die Austauschschülerin, die für elf Monate in Schönwalde wohnen wird, geht hier ihre ersten Schritte im Gebrauch der deutschen Sprache und bereichert mit ihrer quicklebendigen Art die ganze Schule.

Lüderitz l Melanie ist eine echte Quasselstrippe, zumindest wenn sie auf Englisch loslegen kann. Dass sie das bald auch auf Deutsch schafft, wünscht sie sich. Die lebendige Lateinamerikanerin ist dank der Austauschorganisation AFS seit gut zwei Wochen in Deutschland und findet es noch ein wenig zu kühl, um etwa ihrem Lieblingssport, dem Laufen, zu frönen. "In Costa Rica haben wir jetzt 26 Grad und Trockenzeit", sagt sie.

Von Anfang an mit Fragen bombardiert

Doch die Umstellung gelingt ihr mit jedem Tag ein wenig mehr. Dazu haben auch sehr aufgeschlossene Grundschüler in Lüderitz beigetragen. In der zweiten Klasse bei Steffi Behm wurde sie gleich an ihrem ersten Tag mit vielen Fragen bombardiert. "Was ist deine Lieblingsfarbe?" oder "Was isst du besonders gern?" gehörten dazu. Manche Wortkombinationen erschlossen sich ihr in den ersten Wochen auch erst mit Hilfe von Zeichensprache.

"Ich habe hier zum ersten Mal Klopse gegessen, das hatte ich noch nie gehört. Auch Currywurst und Schnitzel liebe ich - und Rote Beete", sagt die junge Frau. Auch das Kuchenangebot in deutschen Märkten begeistert sie und "Kartoffeln mit Soße". "In Costa Rica gibt es vor allem Reis oder Toastbrot", erzählt sie.

Nach einem Monat der Einführung in Sprachgrundlagen ist sie mitten in Deutschland praktisch ins kalte Wasser geworfen worden und dass das funktioniert hat, merkt man schnell. Im Unterricht wird sie eingebunden und in den Pausen wird geplaudert oder gespielt. Schulleiterin Kathrin Dittmar ist begeistert, wie das Miteinander funktioniert.

Schon bevor Melanie kam, wurde Costa Rica in der Schule vorgestellt, die Gastschülerin ist in allen Klassen schon zu Gast gewesen und spanische Worte sind seit kurzem viel häufiger von den Kindern zu hören. "Es ist ein Geben und Nehmen", sagt Kathrin Dittmar.

"Die Kinder mögen sie total gern", sagt Lehrerin Steffi Behm, die selbst schon Austauschschüler zu Hause hatte. Sie hatte sich bereit erklärt, Melanie mit zu betreuen, als deren Gastfamilie, die Schallhorns aus Schönwalde, in der Lüderitzer Grundschule anfragte.

Die Zeit bei den Grundschulkindern soll sprachliche Grundlagen schaffen für Melanie, denn schon bald wird sie das Tangermünder Gymnasium besuchen. Auch wenn sie ihren High-School-Abschluss in der Heimat längst in der Tasche hat. Die junge Frau möchte nach ihrem Deutschland-Jahr "Internationale Beziehungen" studieren und hat sich bewusst für eine ländliche Region wie die Altmark entschieden, weil sie einmal etwas ganz anderes sehen wollte.

Eigentlich lebe sie in einem Außenbezirk der Hauptstadt San José, eine echte Metropole - vergleichbar mit Berlin, berichtet sie. "Wir haben kaum Natur um uns herum, deshalb wollte ich aufs Land, ich liebe das Grüne", sagt sie. Und bei den Schallhorns mit vier Kindern gefällt es ihr gut.

Viel körperliche Nähe in Costa Rica ganz normal

Sie liebt das Miteinander in der Familie, begleitet Gastmutter Nancy gerne überallhin, ob in den Einkaufsmarkt oder zu Arztterminen. "Ich möchte Deutschland richtig erleben, Menschen kennenlernen und so viel wie möglich sehen, ich lebe ja nur einmal hier", sagt sie.

In wenigen Monaten wird Melanie 18 Jahre alt. Ein wenig vermisst sie ihren kleinen Bruder, mit dem sie nicht nur viel gespielt, sondern auch oft gekuschelt hat. Gerade die körperliche Nähe sei in Costa Rica ganz normal, erläutert sie. Es wird viel umarmt und auch im Gespräch das Gegenüber berührt. "Wenn ich hier jemandem über die Haare streiche oder einfach mal umarmen will, dann werde ich manchmal ein bisschen komisch angeschaut", erzählt sie schulterzuckend.

Doch genau das will die junge Frau: die volle Bandbreite der kulturellen Unterschiede entdecken, neue Eindrücke sammeln und ganz viel Deutschland erleben.