Vor zwei Jahren kam Miyuki Komizo aus Japan nach Deutschland. Jetzt gibt sie ihren ersten Sprachkurs an der Volkshochschule Stendal.

Stendal l Als Miyuki Komizo den Raum betritt, herrscht unter den Anwesenden eine ehrfurchtsvolle Stille. Dann stellt sie sich vor - zweimal. Einmal auf Japanisch, einmal auf Deutsch. Lächeln in der Runde. Das Eis ist gebrochen.

Seit Montag wird an der Städtischen Volkshochschule Stendal wieder Japanisch gelehrt. Wie bei den meisten anderen Sprachkursen auch ist die Dozentin Muttersprachlerin und kann den Lernenden somit wertvolle Tipps aus erster Hand geben.

Von Japan geradewegs nach Sachsen-Anhalt

Vor sieben Jahren - damals noch in ihrem Heimatland - lernte Miyuki Komizo ihren späteren Ehemann kennen, der dort ein Auslandssemester verbrachte. Seit 2012 leben beide in Magdeburg, wo die 29-Jährige als Japanischlehrerin tätig ist. Nun bringt sie auch nach Stendal einen Hauch fernöstlicher Kultur.

Als bunt gemischt erweist sich die Zusammensetzung des Kurses. Ob Jugendlicher oder Seniorin, sie alle teilen eine Gemeinsamkeit: Die Leidenschaft für das Land Japan und seine exotische Sprache.

Exotisch, weil die Schriftzeichen deutlich komplexer gestaltet sind als unsere Buchstaben und auf den ersten Blick eher an Hieroglyphen erinnern. Die Hiragana-Schrift, die in der ersten Lektion genauer behandelt wird und nur eines von drei verschiedenen Zeichensystemen darstellt, umfasst 46 Symbole. Sie kennzeichnet die Grammatik eines Satzes.

"Deutsches Essen liegt mir schwer im Magen"

Ebenfalls ungewohnt: Traditionell liest man in Japan spaltenweise von rechts nach links. Wer ein Buch aufschlägt, startet also nach unserem Leseverständnis auf der letzten Seite.

Was so kompliziert anmutet, ist letzendlich aber nur Gewöhnungssache, beruhigt Miyuki Komizo ihre Schüler. Kaum Probleme soll zudem die Aussprache der Schriftzeichen bereiten: "Die Phonologie des Japanischen stellt für Deutsche in der Regel keine große Herausforderung dar."

Unter den neun Teilnehmern findet sich auch ein echter Japan-Kenner: Andreas Naber war bereits dreimal auf dem fernen Inselstaat zu Gast und ist bereits mit den Grundlagen der Sprache vertraut.

"Ich mag die Affinität zur Technik, die schnellen Züge und die netten Menschen", erklärt Naber, der im Trikot der japanischen Fußballnationalmannschaft zum Kurs erschienen ist. Aufgrund seines Bergbau- und Geologiestudiums hat der 49-Jährige zudem ein besonderes Interesse an den Vulkan- und Erdbebenaktivitäten im Land. Im Mai steht für ihn der vierte Trip nach Fernost an.

Das jüngste Gesicht im Kurs von Miyumi Komizo ist Ronja Walther. Die 13-Jährige aus Kamern war zwar noch nie in Japan, hat aber durch ihre Hobbys schon jede Menge Ahnung von der fremden Kultur. Ronja liest Mangas, ist Pokémon-Fan und macht Karate. Daher sind ihr auch schon eine Menge japanische Begriffe vertraut. Ebenso vertraut ist ihr die Küche: "Ich esse am liebsten japanische Nudelsuppe", sagt sie und schwärmt davon, mit ihren Freunden eines Tages ins Land der aufgehenden Sonne zu reisen.

Was das Kulinarische angeht, ist Kursleiterin Miyuki Komizo übrigens ihren Wurzeln treu geblieben. "Deutsches Essen liegt mir einfach schwer im Magen", gesteht sie lachend.