Das Johanniter-Krankenhaus Genthin-Stendal ist fest in der Altmark- metropole verwurzelt. 1861 öffnete es seine Pforten, um Menschen in Not zu helfen. Die Zeiten haben sich gewandelt - der Anspruch ist geblieben. Die Volksstimme stellt Personen vor, die dem Krankenhaus ein Gesicht geben. Heute: Karin Sadetzki vom Empfang.

Stendal l Sie ist quasi ein Antlitz des Krankenhauses Stendal, vermittelt vielen einen ersten Eindruck von der Klinik: Karin Sadetzki. Sie steht an der Rezeption, weist Patienten, Besuchern, Dienstleistern den Weg durchs Haus. Das ist ihre Aufgabe. Aber nicht die einzige. Die quirlige Frau, 1949 in Demker geboren und in Stendal zu Hause, und ihre fünf Kolleginnen vom Empfang zeichnen unter anderem auch für den Postvertrieb verantwortlich, bereiten Apothekerlieferscheine für die Abrechnung vor, sind zu später Stunde sowie an Wochenenden und Feiertagen in der Patientenaufnahme im Einsatz, organisieren für entlassene Patienten die Taxifahrt nach Hause.

Job-Voraussetzungen: Freundlichkeit und Ruhe

"Ich mache die Arbeit unheimlich gern", sagt Karin Sadetzki und begründet: "Sie ist sehr vielseitig, und ich habe mit Menschen zu tun." Deshalb habe sie nicht lange überlegt, als ihr vor etwa 19 Jahren die Tätigkeit im Drei-Schicht-Betrieb an der Rezeption angeboten wurde. Zuvor hatte die gelernte Industriekauffrau unter anderem im Stendaler Dauermilchwerk und auf der Baustelle des Kernkraftwerkes bei Arneburg gearbeitet. Nach dem Aus für das KKW fand sie einen neuen Arbeitsplatz im Johanniter-Krankenhaus. Erst als Telefonistin, dann in der Patientenanmeldung, bis sie dann an den Empfang wechselte.

Ruhe auszustrahlen, sei eine wichtige Voraussetzung für diese Tätigkeit, macht Karin Sadetzki deutlich. "Viele Leute, die ins Krankenhaus kommen, sind verständlicherweise schon aufgeregt genug", sagt sie. Freundlichkeit sei ein weiteres Grundprinzip, auch wenn die Rezeptionistin bedauert, dass die nicht immer in gleicher Münze zurück- gezahlt werde.

Los ist immer etwas am Tresen im Eingangsbereich des Krankenhauses. Da fragt jemand nach der Ambulanzsprechstunde; da möchten Angehörige wissen, in welchem Zimmer ein Patient liegt; da erkundigt sich ein aus der Klinik Entlassener nach dem Busfahrplan. "Irgendjemand hat immer ein Problem", erzählt Karin Sadetzki, "und wenn es eine defekte Spülung in der Toilette ist." Für die verheiratete Mutter von zwei erwachsenen Kindern ist das "angenehmer Stress". Dazu zählt sie auch, wenn sie und ihre Kolleginnen in anderen Abteilungen aushelfen, beispielsweise in der Frauenklinik. "Das", so Karin Sadetzki, "regt die Gehirnzellen an."

Gunter Gabriel war hier auch schon Patient

Der Job beschert den Frauen von der Rezeption besondere Begegnungen. So schaute vor Jahren einmal Volksmusikstar Stefanie Hertel vorbei, um nach einer Apotheke zu fragen. Unvergessen für Karin Sadetzki ist der Klinikaufenthalt von Schlagerbarde Gunter Gabriel. "Er saß unten im Foyer, las Zeitung und wurde von den Leuten bestaunt", blickt die passionierte Saunagängerin zurück. Die Frau von der Rezeption durfte sich schließlich noch über eine signierte CD des Künstlers freuen.

Die wird sie auch im Ruhestand an dieses Erlebnis und die Arbeit im Johanniter-Krankenhaus erinnern. Dieser Ruhestand ist in Reichweite. Ende des Jahres zieht Karin Sadetzki ihre Uniform als Empfangsdame aus. Auch mit einem weinenden Auge, wie sie zugibt. Nicht nur weil sie ihre Arbeit mag, sondern auch weil der "Zusammenhalt im Team zwischen Jung und Alt gut ist".