Stendal l "Er hat Glück gehabt, dass der Stadtsee und die Uchte nicht zugefroren waren", erzählt Eckhard Jahn (63). Der Rentner redet von einem Schwan, der nur durch den milden Winter und fürsorgliche Anwohner, die das Tier regelmäßig mit Brot gefüttert haben, überlebt hat. Seit drei Jahren wohnt Jahn am Stadtsee und beobachtet das Schwanenpaar. "Der Kleine wurde im Mai geboren. Es waren insgesamt drei Jungschwäne, von denen zwei überlebt haben", erinnert sich der Vogelfreund.

Im Dezember habe er gemerkt, dass mit dem Tier etwas nicht stimmt. "Er hatte eine sichtbare Beule am Hals gehabt, als ob ihm ein Kronkorken im Hals steckte", sagt der Rentner. Der junge Schwan konnte nicht mehr fressen und wurde immer schwächer. Andere Anwohner und Spaziergänger seien ebenfalls auf das kranke Tier aufmerksam geworden. "Der Schwan hat Glück gehabt, denn er wurde mit Brot gefüttert, das er im Wasser aufgeweicht schlürfen konnte", erzählt Jahn. Der Tierfreund machte sich große Sorgen, weil sich der Zustand des Tieres seit Dezember zusehends verschlechterte. Ein Bekannter aus dem Elferblock habe das Tier im Januar eingefangen und in den Tiergarten gebracht, erzählt der Stendaler. "Nach einem Tag wurde der Schwan wieder ausgesetzt, ärgert sich der Rentner. "Dabei hat jeder gesehen, dass der Schwan krank war."

Der Schwan wurde überfüttert

Elvira Hentschel, Mitarbeiterin im Tiergarten erinnert sich: "Ein Tierarzt hatte den Schwan untersucht und festgestellt, dass er zu dick sei. Deswegen kommt er nicht hoch und fliegt nicht weg." Auch die zuständige Jagdbehörde habe der Rentner auf das Problem aufmerksam gemacht und trotzdem sei nichts passiert.

Auf Nachfrage der Volksstimme sagte Angela Vogel, Landkreissprecherin: "Auf Grund der Hinweise aus der Bevölkerung wurde der Schwan durch einen Tierarzt begutachtet. Dieser stellte fest, dass der Schwan nicht erkrankt ist." Da dies so sei, "wird der Landkreis auch keine weiteren Schritte einleiten".

"Ich finde es nicht gut, dass man dem Tier diese Qualen auferlegt", erzählt Jahn.

Dem Schwan gehe es heute ein bisschen besser. "Er frisst so, dass er nicht sterben muss." Der Naturfreund kennt sich in der Vogelwelt aus und ist fast jeden Tag mit seinem Fotoapparat am Stadtsee oder entlang der Elbe unterwegs. Der andere Jungschwan sei oft mit seinen Eltern geflogen und ist schon weg. Nur der kranke Schwan konnte nie das Fliegen und die Wiesen kennenlernen, weil ihm die Kraft dazu gefehlt habe. "Jetzt sitzt er am Stadtsee fest und weiß nicht wohin, weil es ihm niemand gezeigt hat."

Der Schwan traut sich nicht auf den See

Ein weiteres Problem bereitet Jahn Sorgen: "Der alte Schwan jagt den Kleinen und greift ihn ständig an." Im Mai könnte sich das Problem noch zuspitzen, wenn die neuen Jungschwäne schlüpfen, befürchtet Jahn. "Der Kleine versteckt sich vor seinem Vater auf den Rasenflächen", sagt der Rentner. Das Tier traue sich nicht auf den See. Es sei auch oft vorgekommen, dass der Schwan vor einem Angriff flüchten wollte und nach einem Flugversuch auf die Betonstraße am See abstürze. "Nach 100 Metern stürzt er immer wieder ab", bedauert der Rentner. "Ich hoffe, der Vater wird ihn nicht totbeißen", sorgt sich Jahn. Der alte Schwan habe den Kleinen jeden Tag traktiert, daher hat er viele Verletzungen am Hals erlitten. "Nicht nur Jahn interessiert sich für den Schwan. Mittlerweile fragen ihn viele Spaziergänger, wenn er am Stadtsee unterwegs ist, wo das Sorgenkind sei und wie es ihm gehe. Jahn hofft, dass der Schwan irgendwann den Mut und die Kraft findet, um wegzufliegen.

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