Woche für Woche treffen sich im JFZ "Mitte" tanzbegeisterte Kinder und Jugendliche, angefangen bei einem Alter von vier Jahren. Unter dem Namen "Smilies" bekommen sie kostenlos Unterricht, lernen unter Anleitung Choreographien und haben vor allem eines: Spaß.

Von Irene Bartkowski

Stendal. Sie lachen, die "Smilies", drehen sich, werfen die Arme in die Luft und hören ganz auf das Kommando von Doreen Hübener (34). "Eins, zwei, drei, links", gibt sie den Ton an. Die "Smilies", das sind Kinder und junge Erwachsene im Alter von 4 bis 25 Jahren, die für ihr Leben gern die Hüften schwingen. Und zwar im JFZ "Mitte". Besonders verrückt sind die Tänzer nach einem Song: dem "Fliegerlied." "Nochmal. Wir wollen dazu noch nochmal tanzen", rufen einige.

Für ihr Hobby zahlen sie nicht einen Cent, denn Doreen Hübener leitet den Kurs ganz ehrenamtlich. "Die meisten Eltern fragen sofort nach dem Preis. Sie können nicht begreifen, dass es hier kostenlos ist." Doch das ist es. Und wer jetzt denkt: Kostenlos kann nicht gut sein, der irrt. Hübeners Kurs ist ganz und gar nicht unprofessionell.

Ideen werden gemeinsam umgesetzt

Im Gegenteil: Die 34-Jährige mit dem frechen Kurzhaarschnitt hopst nicht einfach drauf los, sondern macht sich Gedanken über Choreographien und bezieht auch die Gruppe in diesen Prozess mit ein. "Wenn die Kinder Ideen haben, setzen wir sie zusammen um", erklärt Hübener das Konzept. Die Kursteilnehmer sollen aber nicht zu kleinen John Travoltas ausgebildet werden. Im Vordergrund steht ganz schlicht etwas, was oft im stressigen Schulalltag voller Konkurrenzdruck vergessen wird: "Die Kinder sollen Spaß haben."

Spaß hat auch Sarah Urbansky (4). Sie ist zum ersten Mal dabei, genau wie zwei weitere Kinder. Noch hat sie Mühe, das Tempo einzuhalten, das die anderen vorlegen. "Tanzen ist einfach schön und die Lieder sind toll", verrät die Kleine ganz schüchtern in der Pause. Sandra Heidmann, ihre Tante auf der Zuschauerbank, wirft ein: "Meine beiden Töchter sind sogar schon seit einem Jahr dabei. Sarah hat sie immer tanzen sehen und wollte es dann auch ausprobieren".

Während die Kleinkinder auf der Bank durchatmen, treten fünf Jugendliche auf und tanzen in dem großen verspiegelten Raum ihre einstudierte Choreographie zu "Last Christmas". Auch wenn die Zwerge ihre Füße stillhalten sollen, springt die vierjährige Jaqueline auf und bewegt die Beine zum Rhythmus. "Bleib hier, jetzt tanzen nur die Großen", sagt Mutter Sandra Heidmann liebevoll zu ihrer Tochter und erklärt: "Das ist ihr Lieblingslied. Da will sie dann immer mitmachen".

Doreen Hübeners Kurs ist gefragt: Ingesamt wirbeln 17 Kinder jede Woche übers Parkett. Gern würde sie ihre Gruppe erweitern und auch am Samstag arbeiten. Derzeit traineren die "Smilies" immer alle zusammen freitags von 15 bis 18 Uhr. Eigentlich ein arbeitsintensiver Job, bei dem Hübener und ihre Mitstreiterin Melanie Mislack (26) auch ganz gutes Geld verdienen könnten, doch darum geht es ihnen nicht.

"Es ist einfach schön, glückliche Kinder zu sehen. Ich habe hier anfangs als Jugendbetreuerin gearbeitet und bemerkt, dass hier der Raum zum Tanzen ist. Also habe ich im November 2005 diese Gruppe gegründet", erzählt Hübener über ihr Projekt. Eine lange Zeit, über die sich ihre Tanzgruppe gehalten hat. Da liegt der Verdacht nahe, dass sie eine erstklassige Ausbildung als Tänzerin erhalten haben könnte. Doch Hübener lacht und lüftet das Erfolgsgeheimnis: "Meine Kinder haben‘s mir beigebracht."

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