Stendal l "Früher bewarben sich die Lehrlinge bei den Betrieben, heute ist es umgekehrt." Hagen Mauer, Präsident der Handwerkskammer Magdeburg, betrachtet die Lage am Ausbildungsmarkt mit Sorge.

Grund ist das Missverhältnis von Ausbildungsstellen und -bewerbern. So kamen auf 842 Stellen im aktuellen Ausbildungsjahr nur 935 Interessenten. Der Pool, aus dem Ausbilder ehemals schöpfen und sich die besten Bewerber aussuchen konnten, ist praktisch nicht mehr vorhanden.

Diese und weitere neue Zahlen präsentierte die Agentur für Arbeit am Dienstag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Handwerkskammer zur Halbjahresbilanz auf dem Ausbildungsmarkt in der Altmark.

So viele Stellen wie seit sechs Jahren nicht

Dabei wies Markus Nitsch, Chef der Arbeitsagentur, auch darauf hin, dass es zu diesem Zeitpunkt des Jahres so viele offene Stellen gebe wie seit sechs Jahren nicht mehr. Dies könne zwar zum einen als erfreulich angesehen werden, andererseits machte Nitsch auch kein Geheimnis daraus, dass es an Fachkräften mangele, um diesen großen Bedarf zu decken.

Umso wichtiger ist es, der Ausbildung ebensolcher Fachkräfte größtmögliche Bedeutung beizumessen. Doch das Problem nimmt bereits mit dem niedrigen Zahl der Schulabgänger seinen Anfang. Betrug ihre Anzahl in der Altmark im Jahr 2007 noch knapp 4000, so sind es 2013 nur noch 1613 - ein Rückgang um fast 60 Prozent.

Hinzu kommt, dass die Abgänger, die sich einerseits dazu entscheiden, in der Region zu bleiben und obendrein eine Ausbildung anstreben, sich nicht zwangsläufig für die Branchen begeistern können, in denen am dringendsten Nachwuchs gesucht wird (siehe Infokasten).

Auf einen Bewerber kommen fünf Betriebe

Am gravierendsten macht sich das Missverhältnis in der Tierwirtschaft bemerkbar. Auf einen Bewerber um einen Ausbildungsplatz kommen beinahe fünf Ausbildungsbetriebe.

"Diese müssen sich schon etwas Besonderes einfallen lassen, um Lehrlingen etwas zu bieten und deutlich mehr Aufwand in die Ausbildung investieren", sagt Markus Nitsch und fordert ein Umdenken bei den Unternehmen. So sollten diese schneller als bisher auf Bewerbungen antworten, da sich die Jugendlichen sonst rasch für anderen Platz - möglicherweise gar in einem anderen Bundesland entscheiden würden. Zudem sollen sich auch technische Betriebe verstärkt um Frauen bemühen, da ansonsten wertvolles Potenzial verschenkt werde.