Stendal l Als Friedrich Käther in Pension ging, bedeutete das für ihn keinen Ruhestand. Er entdeckte das Schreiben als Hobby und brachte 2011 "Die Strolche von Golchen" heraus. Darin werden Jugendabenteuer des 14-jährigen Fritz Kötter im Mecklenburg der frühen 50er Jahre erzählt. Nun hat Käther ein weiteres Buch herausgebracht. In "Der ungehorsame Lehrer aus dem Chemieraum 02" hat er wieder das Pseudonym Fritz Kötter angenommen, um so seine Geschichte fast authentisch zu erzählen.

"Es ist der Versuch an die Strolche anzuknüpfen, denn auch als Erwachsener hat sich Kötter die Aufmüpfigkeit des 14-Jährigen bewahrt", erzählt der ehemalige Lehrer für Chemie und Biologie im Gespräch mit der Volksstimme. Und dieser Versuch ist geglückt, wenn man Käthers Verleger glauben darf, der seinen Stil gleichzeitig als vergnüglich und sarkastisch bezeichnet habe. Käther/Kötter versteht sich nicht als Widerstandskämpfer, wohl aber als jemand, der die Verbrüderung von Ideologie und Naturwissenschaft nicht annehmen will. "Greenhorn trifft auf ideologische Borniertheit", fasst er die Situation zusammen.

Im Laufe seiner Lehrertätigkeit lernt er eine Menge Personen kennen, die für sein weiteres Fortkommen, oder eben das Gegenteil davon, eine Rolle spielen. Dazu gehört Direktor Schluckauf, der zu Tobsuchtsanfällen neigt, Kötters akademische Selbstverliebtheit austreibt und ihn auf seine raue Art zu einem praxistauglichen Lehrer erzieht. Kötters Widersacherin allerdings ist Schuldirektorin Erna Dorn, die den Schulalltag ideologisiert, ein Machtmensch ist, der Denunziantentum und spießige Anpassung fördert.

Zweimal wird er der Schule verwiesen. Etwas, das Käther im wirklichen Leben nicht widerfahren ist. Leicht hatte er es nicht, vor allem weil es ihm nicht gelang, eine schulinterne Opposition aufzubauen, um die Schule vor Ort zu reformieren. Nach der Wende fühlte sich Käther darin bestätigt, dass sich Pädagogik und Meinungsfreiheit nicht ausschließen dürfen.

1998 kam Käther in die Altmark, zuletzt war der Direktor des Tangermünder Diesterweg-Gymnasiums. Er wohnt allerdings in Stendal. In seiner alten Heimat hat er bereits aus seinem neuen Buch gelesen. Das würde er auch gerne in der Wahlheimat. "Aber ich weiß, dass die Termine in der Stadtbibliothek sehr begehrt sind", sagt er. Konkrete Pläne für ein neues Werk hat er noch nicht, aber eine Idee: "Vielleicht ein Kinderbuch".