Stendal l Im Hauptausschuss stellte Reiner Instenberg (SPD) den Antrag, die Stadt möge sich um das Prädikat "Kinderfreundliche Kommune" bewerben. Sein Ansinnen wurde in die Ausschüsse verwiesen, ein Prozedere, das den Fraktionschef sehr verärgert. "Das wird mir eine Lehre sein", meinte er im Gespräch mit der Volksstimme. Er habe das Gefühl, das Thema sollte aus wahlkampftaktischen Gründen abgebügelt werden. Das nächste Mal werde er einen Antrag erst im Stadtrat einbringen.

Das Zertifikat, das vom Deutschen Kinderhilfswerk und Unicef vergeben wird, zeichnet Gemeinden aus, die unter der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen einen Aktionsplan für die lokale Umsetzung von Kinderrechten verabschiedet haben. Der Prozess beginnt mit einer Standortbestimmung anhand eines Fragebogens. Workshops mit Kindern und Jugendlichen ermitteln Wünsche und Vorschläge, die in einen Aktionsplan einfließen.

Werbung nach innen und außen

Bereits seit einigen Jahren sind die Stadtdetektive in Stendal unterwegs und tragen einmal jährlich vor, welche Schwachstellen sie entdeckt und welche Verbesserungsvorschläge sie haben. "Wir sind auch dafür, dass es einen festen Ansprechpartner in der Verwaltung für die Kinder gibt", sagte Instenberg. Die wollen nicht unbedingt so lange warten, bis sie vortragen können, was geändert werden soll.

Das Siegel "Kinderfreundliche Kommune" sieht er in doppelt positiver Funktion, nämlich als Werbung sowohl nach außen als auch nach innen. "Man könnte mit dem Zertifikat im Rücken junge Familien nach Stendal holen und gleichzeitig als Stendaler stolz auf die Stadt sein", meinte er.

Die Stadtverwaltung hat nun Zeit, bis die neuen Ausschüsse nach der Kommunalwahl am 25. Mai gebildet werden. "Dies bietet die Möglichkeit, das Thema umfassend zu erörtern und insbesondere die bereits vorhanden Potenziale aufzulisten und die eventuell noch zu schaffenden Voraussetzungen zu erarbeiten", sagte Stadtsprecher Klaus Ortmann auf Anfrage der Volksstimme. Sollte die Hansestadt das Siegel verliehen bekommen, ist es für vier Jahre gültig.

Superintendent sieht gute Gründe

Thomas Richter-Mendau hält es für ein wenig paradox, dass sich eine Stadt als kinderfreundliche Kommune auszeichnen lassen will, wenn sie nicht mal einen Spielplatz vor dem Dom genehmigt. Richter-Mendau ist Projektleiter des Gefängnis-Umbaus zum Wohnhaus, in dessen Zuge auch ein Café entstehen soll. Die Anfrage, ob dort ein Spielplatz gebaut werden kann, wurde von der Stadt negativ beschieden (Volksstimme berichtete).

Diesen Zusammenhang sieht die Stadt allerdings nicht. "Eine Genehmigungsfähigkeit bedingt in erster Linie das Einverständnis des Grundstückseigentümers. Dieses wird zu dem angestrebten Projekt verweigert", beantwortete Ortmann eine Volksstimme-Anfrage. Eigentümer ist die Kirche und Superintendent Michael Kleemann meint, dass es sehr wohl unerschütterbare Gründe gebe, dort keinen Spielplatz zu erreichten. Dazu gehört, dass die Fläche als Ruheplatz eine wichtige Funktion für die Altstadt hat.