Freund, Feind, Parteifreund - diese pointierte Steigerungsformel ist in der Politik im Allgemeinen und in der hiesigen SPD im Besonderen durchaus schon mal zutreffend. Bei Edith Braun ist einigen Sozialdemokraten jetzt ganz offensichtlich der Kragen geplatzt. Das ist auf den ersten Blick verständlich. Die Lüderitzerin lässt keinen kalt. Bei ihr paaren sich konsequenter Einsatz einerseits und zuweilen penetrantes Auftreten andererseits - letzteres oft mehr, als es mancher aushalten kann und es ihren Anliegen gut tut.

Gewiss: Nach den Statuten der SPD (und nicht nur dort) ist der Fall klar - eine Kandidatur bei der Konkurrenz geht nicht. Doch was klar aussieht, muss nicht klug gemacht sein. Ein "Edith, jetzt reicht es aber mal", reichte aber wohl nicht (mehr), denn dass die Lüderitzerin Gegenargumenten nicht immer aufgeschlossen gegenüber steht, ist ebenso wenig ein Geheimnis wie heulende Verwaltungsmitarbeiterinnen nach einem Braun-Auftritt im Amt oder Erzählungen über legendäre Flucht-Strategien, wenn die Sozialdemokratin im Anmarsch war.

Dass nun aber eine juristische Auseinandersetzung an die Stelle einer innerparteilichen Diskussion tritt, ist kein Ausweis von Stärke. Wie erfolgreich ein solcher Vorstoß auch noch in einer Wahlwoche ist, wird letztlich die Wahl am Sonntag zeigen.

Dort tritt übrigens Tangerhüttes Bürgermeisterin Birgit Schäfer ebenfalls für eine Wählergemeinschaft an. Schäfer ist aber auch SPD-Mitglied. Sie kandidierte bei der Bürgermeisterwahl vor vier Jahren sogar gegen einen Sozialdemokraten - und gewann. Ihr Abwahlverfahren aus dem Bürgermeisteramt an diesem Sonntag unterstützen auch Sozialdemokraten, maßgeblich übrigens Edith Braun. Die Parteifreunde in Magdeburg wissen angeblich noch nichts von Schäfers "unsolidarischer Kandidatur", wie dieses Verhalten in den Statuten bezeichnet wird.

Nun wissen sie es - mal schauen, was jetzt passiert...