Stendal l "Dich hat´s erwischt!" sagt Anton (Jonathan Lamprecht) zu Friederike (Annabelle Matthies). Und tatsächlich: Die Wirtstochter hat sich Hals über Kopf in das Theaterspielen verliebt. Andere Bürger bringen ihre Wäsche in Sicherheit, Friederike steht und staunt über so viel Farbenpracht, die mit dem Planwagen eines Tages in das kleine Städtchen rollt. Und dann diese Theaterstücke! "So lange die kleine Bühne auf dem Marktplatz steht, ist alles gut." Als die bunte Truppe weiterreist, lässt Friederike ihr bürgerliches Leben hinter sich und schließt sich den Schauspielern an.

Unterhaltsam in eine andere Zeit entführt

Die Jungmärker haben am Sonnabend und Sonntag "König für einen Tag" auf die Bühne des kleinen Hauses gebracht. Jungmärker, das sind Jugendliche im Alter von ungefähr 11 bis 14 Jahren, die am Theater der Altmark unter fachkundiger Leitung von Simone Fulir ihre eigene Leidenschaft fürs Theater ausleben und ihre Talente beweisen können.

Und ganz offensichtlich sind Leidenschaft und Talent reichlich vorhanden. 20 Mädchen und ein Junge zeigen große Spielfreude und großes Können. Viel Text ohne Hänger (es wurde sogar Französisch gesprochen!), Gesangseinlagen, flinker Rollenwechsel, überzeugende Darstellungskraft... Beeindruckend!

"König für einen Tag" (Roman von Irene Ruttmann, eingerichtet für die Bühne von Simone Fulir) zeigt anschaulich das harte Los der Theaterleute im 18. Jahrhundert. Und es ist gleichzeitig eine Liebeserklärung an die darstellende Kunst.

Die jungen Stendaler Nachwuchskünstler wurden während ihrer Arbeit gefragt, was sie am Theater lieben. "Man wird verzaubert und träumt sich weg in eine andere Welt", "Die Kostüme" und "Man kann so unendlich viele sein" sind einige der Antworten, die auf dem Programmheft aufgeführt sind. All das spiegelt sich in der Inszenierung von "König für einen Tag" wider.

Neben tollen Kostümen und einer einfachen, doch fantasievollen Ausstattung (Mark Späth), haben die Darsteller das Publikum unterhaltsam in eine andere Zeit entführt. Ganz besonders wunderbar die Szene, da die jungen Nachwuchskünstler am Bühnenrand stehen, dem Publikum vis-à-vis, und selbst Theaterzuschauer mimen: mal erheitert, mal gerührt. Immer ergriffen und gefesselt.

Ein Sprichwort besagt, dass Künstler nicht nur vom Brot allein leben. Klar, sie lieben am Theater "das Gefühl, wenn man Applaus bekommt". Die gelungene Aufführung bekam natürlich reichlich und verdienten Applaus.