Am Montag wurde im Audimax der Dokumentarfilm "Sterbefasten - Freiheit zum Tod" gezeigt, in dem die schwerkranke Marion M. den "natürlichen" Suizid durch Verzicht auf Essen und Trinken wählte.

Stendal l Schwerkranke wählen oft den Weg des "natürlichen" Suizids, um selbstbestimmt sterben zu können. So auch die bereits im August 2013 verstorbene 56-jährige Marion M., die in dem Film beschreibt, warum sie sich zu diesem Schritt entschieden hat.

"Der Dokumentarfilm ,Sterbefasten - Freiheit zum Tod` wurde bewusst ausgewählt, weil er nüchtern darüber berichtet", erzählt der Geschäftsführer des Evangelischen Hospiz Stendal, Ulrich Paulsen. "Ich bin zufällig auf diesen Film gestoßen. "Jeder Lebensweg ist anders und so ist auch jeder Sterbeweg unterschiedlich", sagt Paulsen vor der Filmvorführung.

"Es ist nicht Lebensmüdigkeit, sondern Leidensmüdigkeit, die mich zu dieser Entscheidung führt", erzählt die Sterbende. Sie wirkt entschlossen, als sie erzählt, warum sie sterben will und lässt an ihrer Entscheidung keinen Zweifel mehr.

Im Urlaub in Indonesien wurde sie totkrank

Ihr Leidensweg begann im Urlaub auf einer indonesischen Insel. Dort hatte sich die damals 54-Jährige mit einem Keim angesteckt, der bei ihr die heimtückische Amöbenruhr auslöste. Durchfall und Bauchkrämpfe waren die Folge. Danach nahm Marion M. dramatisch ab, bis ihr Körper völlig erschöpft war. Trotz Antibiotika verbesserte sich ihr Zustand nicht. Die Ärzte waren ratlos und mussten zusehen, wie sie immer mehr abbaute.

Irgendwann gelangte Marion M. an den Punkt, an dem sie ihren Schmerzen und Leiden ein Ende bereiten wollte und entschloss sich nach langer Recherche für den Verzicht auf Essen und Trinken mit ärztlicher Begleitung, um das Sterben zu beschleunigen, wie sie erzählt. "Ich prüfe meine Entscheidung jeden Tag und komme immer wieder zu diesem Ergebnis", erzählt die Sterbenskranke. "Ich habe alles getan, was ein Mensch tut, der gesund werden will." 18 Monate habe die 56-Jährige gegen Übelkeit, Schmerzen und Kraftlosigkeit wie ein Löwin gekämpft. Hinzu kam die Aussichtslosigkeit, erklärt Sie ihren Entscheidungsprozess.

Auch ihre Tochter kommt in dem Film zu Wort und beschreibt diesen Weg als würdevollsten für ihre Mutter. In der Vergangenheit habe sie oft Angst vor einem Kurzschluss- Suizid ihrer Mutter gehabt. "Die einzige Kurzschlusshandlung beim freiwilligen Verzicht wäre wieder zu essen", sagt die Tochter von Marion M. im Interview.

Sterbefasten: Friedlich im Schlaf sterben

So geschah es, dass die 56-Jährige nach 21 Tagen Sterbefasten mit ärztlicher Begleitung friedlich im Schlaf verstarb.

Wenn Menschen spüren, dass es dem Ende zugeht, stellen sie oft automatisch das Essen und Trinken ein und lassen sich in ihren letzten Tagen nur noch palliativmedizinisch versorgen, erklärt Dr. Sylke Raboldt-Werthe, Mitglied in der Ethikkommission des Diakonie-Krankenhauses Seehausen, nach der Vorführung. "Die Phasen von Müdigkeit und Schlaf überwiegen, sodass man im Schlaf sterben kann." Sie selbst fände diesen Weg für sich zu grausam, erzählt die Anästhesistin. "Ich habe schon vielen Patienten am Sterbebett beigestanden." Raboldt-Werthe ist der Überzeugung, dass der Glaube das einzige ist, was den Menschen hilft, um loslassen zu können.

In der anschließenden Gesprächsrunde wurden keine Fragen gestellt, sondern Erfahrungen ausgetauscht. In einem waren sich viele einig: In der Gesellschaft sei mehr Akzeptanz für ein selbstbestimmtes Sterben notwendig, um den Suizid oder die Flucht ins Ausland wegen der aktiven Sterbehilfe zu vermeiden.

Das Audimax war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Vorführung war ein Gemeinschaftsprojekt der Hochschule Magdeburg - Stendal und des Hospizes. Prof. Matthias Morfeld, Dozent an der Hochschule, Raboldt-Werthe und Pfarrer Paulsen luden Interessierte zur Filmvorführung mit anschließender Gesprächsrunde ein.

 

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