Stendal l Etwa ein Dutzend der haupt- und ehrenamtlich engagierten Frauen und Männer im Stendaler Hospiz lieben es, sich zu sportlich zu betätigen. Sie gehören zu den sogenannten Freizeitläufern. Für Ulrich Paulsen ist das abgesehen von den gesundheitsfördernden Aspekten ein probates Mittel, nach manchen beruflichen Belastungen sein inneres Gleichgewicht wiederzufinden. So werden es schon ein paar Läufe, die er übers Jahr absolviert.

Unter anderem war Paulsen 2013 beim Kassel-Marathon dabei, der erstmals auch eine "Kirchenmeisterschaft" beinhaltete. Ein anderer Teilnehmer, um die Lauffreude des Stendaler Pfarrers wissend, fragte ihn: "Hast Du schon mal von Luxemburg gehört?" Paulsen hatte es in diesem Zusammenhang noch nicht und googelte. Schnell stieß er auf den Interreligiösen Lauf - den Interfaith-Lauf, der Bestandteil des Luxemburg-Marathons ist. Und ebenso schnell stand fest, dass er und die nicht minder laufbegeisterte Ramona Höppner-Nitsche am 31. Mai 2014 dabei sein werden.

Noch dazu, wo sich das gut mit der eingangs erwähnten, zeitgleich geborenen Idee der sportlicher Hospiz-Mitarbeiter verknüpfen ließ. Seit Januar 2014 wird sie übrigens umgesetzt. Politiker wie der Stendaler Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) und die Bundestagsabgeordnete Katrin Kunert (Linke) sowie sportlich interessierte und sozial engagierte Stendaler "sponsern" die Lauffreunde. Sie werden zu Laufpaten. Das heißt, für jeden von den sportlichen Hospizlern gelaufenen Wettkampf-Kilometer kommt ein Geldbetrag zwischen 25 Cent und einem Euro (manchmal auch ein, zwei Euro mehr) in eine Spendenkasse, besser gesagt auf ein Konto, aus dem die Hospizarbeit unterstützt wird.

Herzliche Aufnahme und Gastfreundschaft

Nach fünf Monaten hat das etwa eine Dutzend Laufpaten für 205 Kilometer bereits rund 400 Euro spendiert. Ein beachtliches Ergebnis, sagt Ulrich Paulsen, der davon ebenso beeindruckt ist wie von dem, was er bei der bisherigen Krönung der Stendaler Hospiz-Spendenläufe in Luxemburg erleben durfte.

Seine Mitstreiterin Ramona Höppner-Nitsche ist ebenso voll der Eindrücke, die sie in einem Satz zu bündeln versucht: "Es war toll." Gemeint ist die Gastfreundschaft, die herzliche Aufnahme, dort wo sie Quartier fanden, das Kennenlernen von Läufern verschiedener Religionen, die als Staffeln an den Start gingen. Da liefen Sikhs mit Christen, Muslimen und Buddhisten - jeder 10,5 Kilometer - und so als sportliche Gemeinschaft einen kompletten Marathon.

Der Dalei Lama ist Schirmherr

Schirmherr dieses Interfaith-Laufes - seit vielen Jahren Bestandteil des Luxemburg-Marathons - ist der Dalei Lama, dessen Grußwort für den Luxemburger Interfaith-Lauf Ulrich Paulsen verinnerlicht hat: "Es ist eine Demonstration von Respekt anderen Religionen gegenüber und von gegenseitiger Bewunderung." Das sei in Zeiten, da Religion wieder zur Quelle von Konflikten wird, besonders wertvoll.

Was Ulrich Paulsen und Ramona Höppner-Nitsche aus Luxemburg mitgebracht haben, ist die Gewissheit, drei Tage lang eine starke Gemeinschaft erlebt und Verbundenheit über Religionsgrenzen hinweg gespürt zu haben. Eine prägende Erfahrung.

Mitgebracht haben die beiden aber auch weitere zweimal elf gelaufene Wettkampf-Kilometer für den Stendaler Hospiz-Spendentopf. Das sollen übrigens noch lange nicht die letzten für dieses Jahr gewesen sein. Auf diesen oder jenen aus dem Dutzend Stendaler Hospiz-Lauffreunde warten unter anderem der Tangermünder Lichterlauf im August und der Magdeburg-Marathon im Oktober, bei dem sich Ramona-Höppner-Nitsche zum ersten Mal an die Halbmarathon-Strecke wagen will. Ulrich Paulsen wird noch ein paar Triathlons im Laufe des Jahres draufpacken.

Es muss ja nicht gleich im nächsten Jahr sein...

In der Gemeinschaft der Stendaler Hospiz-Läufer 1000 Spenden-Euro zu erlaufen, sei zwar ein hochgestecktes Ziel, aber kein utopisches, ist Paulsen zuversichtlich. Und dann sind da ja noch die Einladungen für Interfaith-Läufe in London und im japanischen Kyoto, die Höppner-Nitsche und Paulsen aus Luxemburg bekommen haben. Dafür reiche jedoch Zeit und Geld nicht, sagt Ulrich Paulsen mit einem Lächeln. Ganz zuschlagen möchte Ramona Höppner-Nitsche diese Tür allerdings noch nicht: "Es muss ja nicht gleich im nächsten Jahr sein..."