Stendal l Seit gestern ist klar: Der Stendaler Roland wird vom Sockel genommen. Im Zuge der Bauarbeiten an der Marienkirchstraße soll die Statue erhöht und an das Straßenniveau angepasst werden.

Noch Ende April war die Stadtverwaltung im Unklaren darüber, ob die Kopie der fast 500 Jahre alten Figur aufgrund der Standfestigkeit demontiert werden müsste (die Volksstimme berichtete). Dies stellte sich als nicht erforderlich heraus.

Nun gingen die Überlegungen der Verwaltung dahin, die einmalige Gelegenheit zu nutzen und die Rolandfigur zu sanieren, zu reinigen und auf einen etwas erhöhten Sockel zu stellen.

"Der genaue Zeitpunkt, wann die Figur vom Sockel genommen wird, steht derzeit noch nicht fest", sagte Stadtsprecher Klaus Ortmann gestern. In den vergangenen Tagen berieten Fachleute vom Tiefbauamt über das Vorgehen."Der Roland könnte ruhig etwas höher stehen, da durch den Ausbau der Straße das Höhenniveau verändert wird." Deshalb wurde beschlossen, den Sockel des Riesen um einige Zentimeter zu erhöhen.

Der Roland hütet einen kleinen Schatz

1998 ist schon einmal ein Laster gegen den Sockel gefahren und beschädigte den linken Fuß des Riesen. Damit sich so etwas nicht wiederholt, wird der Ritter um ein paar Zentimeter wachsen.

In seinem Sockel ließen die Ratsherren 1974 eine Messingbüchse einfügen, wie die Volksstimme am 10. November berichtete. In der Büchse befindet sich laut jenem Artikel eine Dokumentation zur Geschichte des Stendaler Rolands sowie Fotos von der Demontage ein Jahr zuvor und Münzen von 1974.

Spannung liegt also über dem Abbau des 5,41 Meter-Riesen, wird er doch das Geheimnis lüften, welcher kleine Schatz sich konkret im Sockel des Ritters befindet.

Ein Orkan beschädigte die ohnehin schon verwitterte Statue im November 1972 so stark, dass die Hand mit dem 4,39 Meter langen Schwert heruntergerissen wurde. Der Rat der Stadt beschloss damals den Roland erneuern zu lassen. Nach dem Abbau der Rolandfigur im Oktober 1973 wurde eine originalgetreue Kopie des Riesen angefertigt, die ein Jahr später im September vor dem Rathaus aufgestellt wurde, so ist es im Stendaler Stadtarchiv dokumentiert.

Im Stadtarchiv verrät nur der Zeitungsartikel der Stendaler Volksstimme aus dem Jahr 1974 den damals mitgegebenen Schatz. Dokumente im Stadtarchiv sind spärlich. Es gibt zahlreiche Fotos vom Abbau des Originals 1973 sowie des Aufbaus der Kopie ein Jahr später. Weitere Unterlagen sind Fehlanzeige, wie die Leiterin de Stadtarchives, Simone Habendorf sagt.

Ältestes Stadtwappen auf Rolands Schild gefunden

Bei der damaligen Demontage der Rolandstatue wurden zwei interessante Entdeckungen gemacht. Seit etwa 100 Jahren werde behauptet, der Roland trage auf dem Kopf eine Kappe mit Federbusch und der Schild zeige den brandenburgischen Adler, heißt es in dem Artikel. Jedoch zeigten Untersuchungen, "dass die Figur einen Stirnreif trägt, hinter den der kupferne Federbusch gesteckt ist. Der Schild zeigt einen Wappenadler, unter dessen Fängen sich zwei ausgezackte Quadrate befinden, die bisher durch die starke Verwitterung übersehen wurden," schrieb die Volksstimme.

Die Überraschung war damals groß, als sich herausstellte, dass sich dieses Wappen auch in der Schnitzwand von 1462 im Stendaler Rathaus, am Chorgitter der Marienkirche und im Sekretssiegel der Stadt an einer Urkunde von 1505 befindet.

Welche Überraschungen bei der erneuten Demontage ans Licht kommen, bleibt abzuwarten. Die Bedenken sind jedoch groß, dass der Roland durch diese aufwendige Aktion beschädigt werden könnte. Schließlich wäre es nicht das erste Mal, dass die Identifikationsfigur der Hansestädter etwas über sich ergehen lassen muss. Seit 1525 ist der Roland Schutzpatron der Hansestadt und schmückt den Marktplatz und das Rathaus.