In einem Garten im idyllischen Ottersburg (Tangerhütte) weht derzeit die Flagge Südafrikas. Großvater Ronald Günther flaggt in jedem Jahr anders, denn seit vier Jahren ist Enkel Niklas (15) regelmäßig bei Europa- und Weltmeisterschaften im Kimura-Shukokai-Karate dabei. In zwei Wochen startet er als frischgebackener Deutscher Meister bei der WM in Südafrika.

Ottersburg l Die Flaggen von Finnland, Großbritannien und den USA wehten in den vergangenen Jahren schon im beschaulichen Ottersburg. So wie Vorzeigesportler Niklas Drees, Gymnasiast am Stendaler Winckelmann-Gymnasium, Internationalität in die Region bringt, so ist er auch Repräsentant seiner altmärkischen Heimat, wenn er im Auftrag seines Sports unterwegs ist.

Seine zweite Weltmeisterschaft steht in knapp zwei Wochen an und er hat sich ein klares, persönliches Ziel gesetzt: "Ich will diesmal nicht nur mit einem zweiten Platz nach Hause kommen!" Dieses Ziel zu erreichen, traut ihm auch sein Trainer Chao Cheung durchaus zu.

2012 war Niklas erstmals bei der WM in den USA dabei, damals war ein Teil seiner Familie mitgefahren. Nach Südafrika wird nun auch Papa Heiko Fangohr mitfliegen, und das, obwohl er bisher niemals in einen Flieger steigen wollte.

Auch die Großeltern, Ronald und Marlies Günther, werden mit dabei sein, ebenso Mutter Nicole und Bruder Lucas Drees und auch Cousine Lea Reuter. Für alle wird es eine spannende Zeit, ein paar Tage vor den Wettkämpfen wollen sie als Familie Südafrika kennenlernen und natürlich die Wettkämpfe verfolgen. "Wir sind mächtig stolz auf unseren Niklas", sagt seine Großmutter.

Seit er im vergangenen Jahr bei der Kaderauswahl wieder für das deutsche Nationalteam auserkoren worden war, trainiert Niklas auf die WM hin. Am vergangenen Wochenende steckte er noch "so ganz nebenbei" den Deutschen Meistertitel im Kumité sowie einen dritten Platz im Kata seiner Altersklasse ein.

Auch im Teamkampf des Rathenower Dojos (so heißt das Trainingszentrum im Karate-Sport) mit Maria und Tony Müller, die mit ihm gemeinsam nach Südafrika fliegen werden, holte er einen ersten Platz. Sein Rathenower Dojo war dabei mehr als erfolgreich.

Den Titel "Deutscher Meister" hat Niklas schon mehrfach mit nach Hause gebracht, Unterstützung bekommt die Familie bei ihrem Engagement für den Karatesport, das vor allem mit Fahrtkosten verbunden ist, seit Jahren von Reiner Vollenscheer, Geschäftsführer des Stendaler Honda-Autohauses Dehn. "Dafür wollen wir auch mal Danke sagen", erklärt Mutter Nicole.

Mit dem Karatesport begann Niklas im Alter von sechs Jahren. Dass es sein Sport ist und bleiben wird, steht für ihn felsenfest. "Ich fühle mich wohl dabei, es herrscht eine super Stimmung und man kennt sich inzwischen gut, für mich würde nichts anderes mehr in Frage kommen."

Auch wenn in drei Jahren das Abitur ansteht, will der junge Mann bis dahin weiter so intensiv trainieren wie bisher. Tägliche Fitnesseinheiten und das Training am Boxsack sind für ihn zu Hause Programm, ebenso wie die Wochenenden im Dojo, dem Trainingszentrum in Rathenow.

Aber auch zahlreiche Trainingslager gehören als WM-Vorbereitung verstärkt dazu. Seit vergangenem Sommer trainiert er bei "Sensei Chao Cheung" in Rathenow. Der Träger des 4. Dan und Nationalcoach für den Bereich Kata kennt Niklas aber schon länger, seit er in die Nationalauswahl kam.

"2016 werden die Weltmeisterschaften in Deutschland stattfinden, da will ich auf jeden Fall noch mal dabei sein und dann werde ich sehen, wie sich alles mit den Abiturvorbereitungen vereinbaren lässt", sagt der Neuntklässler.

Und trotzdem man ihm Gefühlsregungen eher selten ansehen kann, sagt der 15-Jährige auf Nachfrage dann doch: "Klar ist bei mir auch schon die Aufregung da, die Erwartungen sind ja hoch." Fünf Tage lang werden sich die Besten der Welt ab 20. Juli in Sun-City/Südafrika im Kimura-Shukokai-Karate messen und Niklas wird sein Land und seine Heimat dort nach Kräften vertreten.

Mehr über die aktuellsten Erfolge des Rathenower Dojos und Trainer Chao Cheung ist auch bei facebook zu finden unter: Kimura-Karateschule-Berlin.

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