Viele Bewohner des Villenviertels sind offenbar unseriösen Sammlern von Altgeräten auf den Leim gegangen. Über einen Zettel im Briefkasten wurden sie gebeten, ausgediente Fernseher, Staubsauger, Kühlschränke und dergleichen vor die Tür zu stellen. Abgeholt wurde nichts. Nun müssen die Anwohner ihren Müll wieder hereinholen.

Stendal. Den Zettel fand Roland Ockel aus der Freiherr-vom-Stein-Straße am vergangenen Donnerstag in seinem Briefkasten: eine freundliche Bitte, die Sammlung von Althaushaltsgeräten zu unterstützen. Er möchte doch bitte seinen ausgedienten Fernseher, den Staubsauger oder auch das Fahrrad am 24. Januar bis 8 Uhr "gut sichtbar an den Straßenrand" stellen. Roland Ockel kam die Aufforderung gerade recht. Seinen defekten Rasenmäher wollte er ohnehin loswerden.

"Heute ist der 26. Januar, und mein Rasenmäher steht immer noch an der Straße", erzählte Roland Ockel gestern am Volksstimme-Telefon. Und wie ihm ging es vielen anderen Bewohnern seiner und der umliegenden Straßen im Villenviertel. In der Fichtestraße leuchtete ein großer weißer Kühlschrank am Straßenrand, anderswo waren es Radios, Computermonitore und andere Dinge.

Die Anwohner hätten dem ominösen Sammler jetzt gern Dampf gemacht und auf die Abholung des Schrotts gedrängt, aber das ist nicht möglich. Wie Roland Ockel hatten offenbar auch seine Nachbarn zunächst übersehen, dass die Benachrichtigung in ihrem Briefkasten weder einen Absender noch eine Telefonnummer enthielt. "Wie können wir denn jetzt den Verursacher des Schlamassels ermitteln?", fragt der Stendaler. "Es muss doch jemand von der Stadt die Genehmigung zu dieser Sammlung bekommen haben."

Doch das ist nicht der Fall. "Bei uns hat niemand so etwas beantragt, es wäre auch nicht genehmigt worden", so die Auskunft von Klaus Ortmann von der Pressestelle der Hansestadt Stendal. Die Stadt wäre in diesem Fall lediglich für die Sondernutzung des Straßenraums zuständig, "und das hätten wir nicht gestattet", sagt Ortmann.

Für die eigentliche Genehmigung der Entsorgungsaktion wäre das Umweltamt des Landkreises der Ansprechpartner. Doch auch dort hatte niemand angefragt, wie die zuständige Mitarbeiterin für Abfallwirtschaft Karin Zädow sagt. Es hätte auch nichts gebracht. "Für so etwas würde es generell keine Genehmigung geben", so Karin Zädow. Für die Müllentsorgung sei ausschließlich der öffentlich-rechtliche Entsorger, also die landkreiseigene Abfallentsorgungsgesellschaft ALS zuständig. Die Bürger hätten eine sogenannte Andienungspflicht, sich in Sachen Müllentsorgung nur an die ALS zu wenden. Dafür enthalte der alljährliche Abfallkalender Abrufkarten, mit denen die Abholung von Elektroaltgeräten oder Sperrmüll ohne zusätzliche Gebühren angemeldet werden kann.

Wird Elektroschrott, wie den Bewohnern des Villenviertels angekündigt, von irgendwelchen privaten Sammlern entsorgt, stellt das nach Auffassung von Karin Zädow weit mehr als nur eine Ordnungswidrigkeit dar. "Das geht schon in Richtung Straftat", sagt sie. "Gefährlicher Abfall darf nur von Betrieben entsorgt werden, die das sachgerecht tun und tun dürfen."

Illegale Entsorgungsversuche wie den im Stendaler Villenviertel hat es laut Karin Zädow im Landkreis schon öfter gegeben. Sie wisse unter anderem von einem Fall in Arneburg. Häufig suchen sich die Täter nur aus, was sie brauchen, und lassen den Rest stehen. Am Ende müssen die Anwohner ihren Schrott wieder auf ihr Grundstück holen.