Es gibt einen erneuten Anlauf, um mit einer Erinnerungstafel an Erika Drees und Hans-Peter Schmidt zu erinnern. Beide gehörten zu den führenden Stendaler Bürgerrechtlern im Wendejahr 1989.

Stendal l Vor 25 Jahren - also im Sommer und Herbst 1989 - formierte sich auch in Stendal ein Widerstand gegen die Staatsmacht der DDR. Im Juli 1989 gab es in der Petrikirche ein erstes Friedensgebet, später kamen Tausende Teilnehmer in den Dom. An führender Stelle wirkte damals die Stendaler Ärztin Erika Drees (1935-2009) mit, sie war auch eine von DDR-weit 30 Erstunterzeichnern des Gründungsaufrufs des Neuen Forums.

Rathaus scheidet als Ort für die Erinnerungstafel aus

Seit längerer Zeit besteht die Idee, für die couragierte Frau eine Erinnerungstafel zu schaffen. Treibende Kräfte hierbei sind Emmi und Werner Schulze, die zu den Mitbegründern des Neuen Forums in Stendal gehören. Neben Drees soll auch an Hans-Peter Schmidt (1941-2002) erinnert werden. Schmidt hatte am Tangermünder Tor eine Blaudruckerei und gehörte neben Drees zu den führenden Köpfen im Wendejahr in Stendal.

Bislang war eine Umsetzung der Idee unter anderem am geeigneten Standort gescheitert. Es stand im Raum, die Tafel am Stendaler Rathaus anzubringen. "Das wäre aus meiner Sicht die sinnvollste Variante gewesen", sagte Hans-Jürgen Kaschade auf Anfrage. Kaschade hat die Finanzierung der Tafeln über seine Stiftung bereits übernommen.

"Aus Gründen des Denkmalschutzes scheidet das Rathaus aus", sagte Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) in dieser Woche im Stadtrat. Es seien mehrere Varianten geprüft worden, unter anderem auch das Haus am Markt 7, in dem sich zu DDR-Zeiten die SED-Kreisleitung befunden hatte. Im Stadtrat hatte Sylvia Gohsrich die Gedenktafeln thematisiert. Sie hatte an die Idee erinnert und wollte von der Verwaltung wissen, wie der Stand der Dinge ist.

Bereits vor rund drei Jahren gab es einen ersten Anlauf

Klaus Schmotz sagte, dass die Verwaltung auf der Suche nach einem geeigneten Standort für eine Erinnerungstafel behilflich sei. Der Oberbürgermeister wies zudem darauf hin, dass es am Sonnabend, 8.November, eine Gedenkveranstaltung zu 25 Jahre Mauerfall geben werde. Federführend werde diese von der Evangelischen Stadtgemeinde vorbereitet. "Der Jahrestag wird nicht ohne entsprechende Würdigung in Stendal vorübergehen", versicherte Schmotz. Detaillierte Planungen stehen noch aus.

Bereits vor mehr als zwei Jahren schien es so, als ob eine Tafel am Rathaus angebracht werden könnte. Von einem aus Stendal stammenden Künstler sollte die Gedenktafel in einer Größe von etwa A3 angefertigt werden. Auch damals schon hatte die Kaschade-Stiftung, bei der Werner Schulze lange Vorsitzender war, die Finanzierung übernommen (die Volksstimme berichtete). Allerdings schaffte es der Künstler nicht, die Tafel tatsächlich fertigzustellen. Zwischenzeitlich war auch das Rathaus als Hängeort für die Erinnerungstafel ausgefallen. Der Denkmalschutz hat etwas dagegen.

"Es findet ja nicht jedes Jahr eine kleine Revolution statt", sagt Hans-Jürgen Kaschade. Er könne es nicht verstehen, warum die Tafel nicht am Rathaus platziert werden könne.

Gohsrich: "Wollte einen Denkanstoß geben"

Sylvia Gohsrich wollte ihre Initiative diese Woche im Stadtrat als Anstoß verstanden wissen, wie sie der Volksstimme sagte. "Erika Drees ist ja auch eine Grüne gewesen", sagte Gohsrich. Sie fände es wichtig, wenn dieser mutigen Frau öffentlich gedacht werde. "Junge Leute haben ja gar keinen Bezug mehr zu dem, was damals passiert ist", sagte Gohsrich. Es müsse aber den ehemaligen Mitstreitern überlassen sein, wie und wo ein solches Gedenken stattfinden soll. Sie selbst sei zwar auch von der Bürgerrechtsbewegung beeinflusst, habe die Wendezeit aber nicht in Stendal erlebt.

Im Übrigen gibt es über Erika Drees ein Buch, das 2011 herausgekommen ist und von der ehemaligen Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes in Sachsen-Anhalt, Edda Ahrberg geschrieben worden ist. Drees wurde in Breslau geboren, flüchtete im Krieg nach Schleswig-Holstein, studierte in West-Berlin und siedelte 1960 nach Bernburg in die DDR über. 1975 zog sie mit Mann und drei Kindern nach Stendal.

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