Wie in vielen Städten an Elbe, Saale und Donau trafen sich am Sonnabend auch an die 100 Menschen auf dem Steilufer in Arneburg. Sie forderten den Erhalt einer naturnahen Flusslandschaft Elbe.

Arneburg. An die 100 Arneburger und Gäste zündeten am Sonnabend Lichter auf dem Hochufer der Elbe an, um ein Umdenken und somit einen Wandel in der Flusspolitik einzufordern. Sie bekundeten damit ihre enge Verbundenheit mit dem Fluss, den sie als kostbaren Lebensraum schätzen.

Die Teilnehmer folgten der Einladung zur Aktion des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Zusammenarbeit mit der Bürgerinitiative (BI) "Gegen das Steinkohlekraftwerk Arneburg" und der Kirche. Die diesjährige Veranstaltung "Lichter für die Elbe" stand unter dem Motto "Flüsse schützen – Leben schützen".

Wegen des Hochwassers versammelten sich die Teilnehmer nicht direkt am Ufer der Elbe zu ihrer Aktion. Hoch oben auf dem Steilufer, zu Füßen der Georgskirche, hatten die Besucher aber dennoch einen Ausblick auf den naturnah belassenen Fluss. Dort gab es Musik von den "Baumgeistern" mit den Instrumenten der australischen Ureinwohner.

Die Mitglieder der BI nutzten die Veranstaltung auch, um mit Transparenten vor Bauch und Rücken gegen die Errichtung eines CO2-Endlagers in der Region zu demonstrieren.

Dr. Eberhard Puls, Mitglied der BI, überbrachte Grüße vom Superintendenten des evangelischen Kirchenkreises Stendal, Michael Kleemann, der aus terminlichen Gründen nicht an der Aktion teilnehmen konnte. Dr. Puls erinnerte daran, dass die Elbe Lebensraum für zahlreiche Lebewesen ist. Die Elblandschaft sei schützenswert, aber bedroht, etwa durch den industriellen Ausbau des Flusses. Angesichts der immer häufiger eintretenden Hochwasserereignisse fordern die Organisatoren mehr Engagement in den vorsorgenden Hochwasserschutz. Statt Flüsse weiter zu verengen, müssen natürliche Überschwemmungsflächen geschützt beziehungsweise geschaffen werden.

Dass vor langer Zeit die Elbe eine Beschützerin gehabt haben soll, erzählte Dr. Puls den Kindern. Er berichtete von der Sagengestalt "Frau Harke", auch "Frau Holle" genannt, die jenseits des Arneburger Elb- ufers, in den Kamernschen Bergen, gelebt haben soll. "Sie beschützte die Elbe, die Wälder, die Pflanzen und Tiere. Sie wurde aber traurig, als die Menschen begannen, ihren Lebensraum zu zerstören", so das BI-Mitglied. Weiter berichtete er den jungen Zuhörern, dass die Sagengestalt die Region verlassen habe. Sie versprach aber, sie wolle wiederkommen, wenn die Menschen aufhören, die Natur zu zerstören.

Als die Kinder zum anderen Ufer hinüber schauten, dorthin, wo sie die einstige Heimat der "Frau Harke" vermuteten, entdeckten sie zahlreiche Lichter. Dort wurden ebenfalls Fackeln entzündet.

Die Kinder waren aufgerufen, sich mit Bildern oder einer Geschichte an der Aktion zu beteiligen. In ihren Werken brachten sie die Verbundenheit mit ihrer Heimat, der Flussregion, zum Ausdruck. So auch die achtjährige Vanessa aus Tangermünde. Sie schrieb der "Frau Harke" eine Geschichte, in der sie von ihren Begegnungen mit dem Fluss berichtet. Unter anderem erzählt sie davon, wie sie dabei war, als ihr Vater in der Elbe angelte und einen Wels fing. "Es war sehr aufregend, einen so großen Fisch zu fangen", schrieb die Schülerin. Als Flaschenpost wurde diese Geschichte der Elbe übergeben, damit sie in die Welt hinausgetragen wird.

Bevor am frühen Abend Lichter für die Elbe entzündet wurden, besuchten etwa 40 Gäste den Lichtbildervortrag "Die Elbe – Faszination einer Landschaft am großen Strom", dargestellt von Stephanie Wischer, Diplombiologin aus Kamern.

Die Aktion am Sonnabend fand parallel in weiteren Städten in der Bundesrepublik statt. So etwa in Dresden, Magdeburg, Wittenberge, Hamburg, Cuxhaven. Und nicht nur am Elbufer brannten die Lichter, sondern auch an Saale und Donau. So beteiligten sich über 40 Städte in sieben Bundesländern.

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