Von Wolfgang Biermann

Stendal l Die Schlägerei zwischen zwei benachbarten Rentnern in einem Dorf bei Stendal wird die Justiz noch weiter beschäftigen. Ob der Freispruch eines wegen Körperverletzung angeklagten Rentners (75) Bestand hat, soll von den Richtern am Oberlandesgericht (OLG) in Naumburg im Rahmen eines Revisionsverfahrens geprüft werden.

Das am Prozess als Nebenkläger beteiligte angebliche Opfer, ein über 70-jähriger Nachbar des Angeklagten, hat über einen Berliner Anwalt am 23. Juli Revision eingelegt, sagte Gerichtssprecher Michael Steenbuck auf Volksstimme-Nachfrage.

Wie berichtet, ist der 75-Jährige am 17. Juli von der Berufungskammer am Landgericht Stendal freigesprochen worden. Das Gericht sah eine etwaige Notwehrlage des Angeklagten. Auch wenn Gutachten dem angeblichen Opfer Hilflosigkeit und Bettlägerigkeit bescheinigen, konnte ein Rechtsmediziner dessen aktive Teilnahme an der Schlägerei auf einer Wiese vor den Grundstücken der beiden Kontrahenten am 20. April 2011 nicht ausschließen.

Schon zweimal hatte das Amtsgericht Stendal den 75-Jährigen zuvor freigesprochen. Nach dem ersten Freispruch hatte das Oberlandesgericht in Naumburg den Fall an einen anderen Richter des Amtsgerichts zurückverwiesen. Doch auch der zweite Richter kam am Ende auf Freispruch. Die daraufhin eingelegte Berufung endete mit dem bekannten Ergebnis.

Am Tag der Urteilsverkündung hatte der bisherige Anwalt des angeblichen Opfers angekündigt, dass seine Kanzlei keine Revision einlegen werde. Das hat nun ein Berliner Anwalt am 23. Juli übernommen. Wie zu erfahren war, hat der Nachbar schon mehrfach den Rechtsbeistand gewechselt.

Auch zivilrechtlich geht die juristische Aufarbeitung des seit Jahren währenden Nachbarschaftstreits weiter, wie Ralf Troeger, Verteidiger des Angeklagten im Strafprozess, angeführt hatte. Zudem ist laut Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen Sozialleistungsbetrugs gegen das angebliche Opfer "in der Schwebe".