Stendal l Viel Lärm um nichts: Wie das berühmte Hornberger Schießen ging diese Woche ein Prozess vor dem Amtsgericht wegen Sachbeschädigung aus. Wobei der Tatvorwurf eher Nebensache war und es hauptsächlich um das Drumherum ging. Ein früherer Rechtsanwalt aus Niedersachsen, der in der Stendaler Region eine Kanzlei betrieben hat, ist am Ende freigesprochen worden.

Wie Strafrichterin Petra Ludwig bekanntgab, habe sich der 64-Jährige vorab krankheitsbedingt als verhandlungsunfähig gemeldet. Daraufhin habe sie veranlasst, dass sich der Angeklagte beim Amtsarzt in Cuxhaven vorstellt. Den Termin dort ließ er ungenutzt verstreichen. Zuvor hatte er ein Fax geschickt, worauf stand: "Was soll der Idiotenkram?"

Am Tag der am Amtsgericht angesetzten Gerichtsverhandlung teilte er mit, dass er sich von seinem Heimatort Stade mit dem Taxi zu Lasten der Staatskasse auf die Reise nach Stendal macht. Keinesfalls werde er pünktlich sein. So kam es denn auch. Als er endlich eintraf, sagte er auf Nachfrage des Gerichts: "Natürlich bin ich verhandlungsunfähig." Daraufhin ordnete Richterin Ludwig nach vorheriger Absprache mit Amtsärztin Dr. Iris Schubert an, dass er sich mit einem Taxi zur Untersuchung ins Hufe-land-Haus zu begeben habe, was er auch widerwillig tat.

Anwalt hatte Klienten auf "übelste Art" betrogen

Knapp zwei Stunden später kehrte er wieder ins Gericht zurück - mit der amtsärztlichen Bescheinigung, verhandlungsfähig zu sein. Drei Zeugen hatten so lange im Amtsgericht ausgeharrt. Indes waren ihre Aussagen wenig ergiebig und der Tatvorwurf nicht so schwerwiegend, sodass am Ende nur der Freispruch blieb.

Nachzutragen bleibt, dass Medienberichten zufolge der Ex-Anwalt im Mai 2009 wegen Untreue und Urkundenfälschung vom Amtsgericht Buxtehude (Niedersachsen) zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden war. Im Bericht heißt es, dass er als Anwalt seine Klienten "auf übelste Art und Weise" um fast 9000 Euro betrogen habe und er "zu Recht (seit Januar 2009) über keine Zulassung als Anwalt mehr verfüge". Außerdem sei er schon 2007 in Buxtehude und 2009 in Potsdam wegen ähnlicher Delikte verurteilt worden.