Stendal l Weil er am 27. Dezember vorigen Jahres eine komplette Box mit Rubbel-Losen am Lotto-Stand eines Stendaler Discounters am Nordwall geklaut hat, muss ein 26-jähriger Stendaler für drei Monate ins Gefängnis.

Damit konnte der vielfach vorbestrafte und zur Tatzeit gleich zweifach unter Bewährung stehende Angeklagte vor der Berufungskammer am Landgericht am Donnerstag zumindest einen Teilerfolg erringen. Denn das Amtsgericht hatte ihn dafür im Mai immerhin zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

Eine derart kurze Haftstrafe von drei Monaten sei laut Gesetz nur in Ausnahmefällen zulässig. Und die seien hier gegeben, befand die Vorsitzende Richterin Gudrun Gießelmann-Goetze. "Das ist keine Kleinkriminalität. Und da ist eine Geldstrafe nicht ausreichend." Eine Möglichkeit, die drei Monate zur Bewährung auszusetzen, sehe sie nicht. Verteidigerin Heidrun Ahlfeld hatte sich vehement für eine Aussetzung der Haftstrafe zur Bewährung eingesetzt. Sie sehe ihren Mandanten auf einem guten Weg. Das zeige er jetzt in der Haft. Darin befindet er sich zurzeit, weil eine seiner Bewährungsstrafen inzwischen widerrufen wurde.

Der 26-Jährige hatte den Diebstahl wohl zugegeben. Er habe die Lose zu Geld machen und gewinnbringend weiterverkaufen wollen, hieß es schon im Amtsgerichtsurteil. Doch das gelang ihm nicht. Ob er es überhaupt versucht hat, blieb offen.

Es gab einen Disput über die Höhe des Schadens

Die Polizei hatte die Lose bei ihm gefunden. Zudem hatte das Lotto-Unternehmen alle gestohlenen Lose umgehend sperren lassen. Ob es überhaupt Gewinnchancen gab und wie hoch die waren, wurde nicht geklärt. Ein Disput entspann sich deshalb zwischen den Prozessbeteiligten über die Höhe des tatsächlich entstandenen Schadens. Das Landgericht ging in seinem Urteil, wie schon das Amtsgericht, von 650Euro "als Basis" aus. Das Urteil, von dem der Angeklagte sichtlich enttäuscht war, ist noch nicht rechtskräftig.