Tangerhütte l Am heutigen Donnerstag beginnt um 19 Uhr im Tangerhütter Kulturhaus das Duell der Kandidaten um das Bürgermeisteramt in der Einheitsgemeinde Tangerhütte. Im Vorfeld stellt Volksstimme beide Bewerber vor. Heute: Andreas Brohm.

Vor zehn Jahren wollte er in die Welt hinaus, mittlerweile kennt er sie. Nach dem Tournee-Leben sei es nun an der Zeit, für sich und seine Familie eine Heimat zu finden. Was liege da näher als die alte Heimat, begründet der 35jährige Andreas Brohm seine geplante Rückkehr nach Tangerhütte, wo er noch immer seinen Hauptwohnsitz hat, wo er nach einer eventuell gewonnenen Wahl sofort den Bürgermeisterstuhl besetzen könnte.

Hier wuchs der heutige Bürgermeisterkandidat auf, legte 1997 sein Abitur ab und wurde mit der von ihm gegründeten Kaberattgruppe "Die Ningdongs" bekannt. In Tangerhütte sammelte er auch seine ersten Lebenserfahrungen. Er erinnerte an das Schlossprojekt. Gemeinsam mit Björn Menzel organisierte er im Neuen Schloss Kinoveranstaltungen, Konzerte, Kleinkunstabende oder Hochzeiten. Bereits damals wollten die jungen Leute beweisen, dass auch Kultur in dieser dünn besiedelten Region ein Wirtschaftsfaktor sein kann. Weiterhin verdiente Brohm sein erstes Geld als freier Journalist und auf dem Bau.

Er studierte nach seinem Wehrdienst in Münster bis 2007 in Leipzig und Sofia Betriebswirtschaftslehre, weist auf seine damaligen Hauptfächer Controlling, Steuern und Statistik hin. Für die eventuelle Führung einer kommunalen Verwaltung, in der er ein Dienstleistungsunternehmen sieht, seien diese Kenntnisse nicht unbedingt von Nachteil.

Vorerst wurde aber die Kunst zu seinem Beruf. Angestellt oder freiberuflich managte er in den vergangenen zehn Jahren mehrere Musical-Produktionen, so das Queen-Musical "We Will Rock You" oder die Europatournee der "West Side Story". Aktuell kümmert er sich um die Tour-Vorbereitungen von "We Will Rock You". Am 12. September wird das Musical am Deutschen Theater in München Premiere feiern.

Brohm leitete ein internationales Team von 80 Mitarbeitern und brachte bis zu acht Shows pro Woche auf die Bühne. Das Tourneeleben sei kein Dauergeschäft. Mittlerweile verheiratet und Vater eines dreieinhalbjährigen Sohnes, sei es an der Zeit, sesshaft zu werden.

Kandidatur ohne eine Partei im Rücken

Ohne eine Partei oder Wählergemeinschaft hinter sich, tritt der diplomierte Kaufmann zur Bürgermeisterwahl als Einzelkandidat an. In Einrichtungen wie der Lebenshilfe, in Landwirtschafts- oder Handwerksbetrieben und in zahlreichen Ortschaften stellte er sich bereits vor. Während dieser Gespräche habe er gemerkt, dass die Menschen das Potenzial dieser Region seien. Es sei die Bereitschaft da, sich einzubringen. Nur am Selbstbildnis müsse noch gearbeitet werden, die Einheitsgemeinde müsse eine Identität bekommen. Dazu gehöre, dass die Dörfer trotz zentraler Verwaltung ihre Strukturen und ihre Infrastruktur behalten. Dieses Ziel in einer Kommune mit vielen kleinen Ortschaften zu erreichen sei sicherlich schwieriger als in einer einzelnen Stadt, ist sich Brohm bewusst.

Die Landschaft mit Elberadweg, Wildpark oder den vielen sanierten kleinen Kirchen in den Dörfern seien Pfunde, mit denen man wuchern könne. Man müsse nur Lösungen finden, wie man damit das Geld in die Region holt. Entsprechende Ideen müssten gemeinsam entwickelt werden und in der Kulturszene habe er gelernt, auch aus wenig etwas zu machen.