In einem typischen Fall von Beschaffungskriminalität sprach das Amtsgericht Stendal in dieser Woche das Urteil: Ein drogenabhängiger Stendaler muss für drei Jahre in Haft.

Stendal l Er ist fast 20 Mal altmarkweit ganz frech in etlichen Orten in öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Kitas, Altersheime und dergleichen, hineinspaziert und hat dort Lehrern, Erziehern, Jugendclubmitarbeitern, Postfrauen, Verkäufern und sonstigen Mitarbeitern die Geldbörsen gestohlen, um an Bargeld zu kommen. Damit finanzierte der 29 Jahre alte Stendaler seine Drogensucht. Nach eigenen Angaben benötigte der laut Gutachter mehrfach abhängige 150 Euro pro Tag, um seinen Hang zu befriedigen.

Mit sechs Flaschen Grappa ertappt

Am Mittwoch hat das Amtsgericht in Stendal den elf Mal wegen Drogenbesitzes, Diebstahls und Körperverletzungen vorbestraften Junkie wegen gewerbsmäßigen Diebstahls in 19 Fällen zu drei Jahren Gefängnis ohne Bewährung verurteilt und ihn in den Maßregelvollzug zur Suchttherapie eingewiesen. Zum dritten Mal und als allerletzte Chance, wie die Vorsitzende Richterin des Schöffengerichts, Petra Ludwig, im Urteil ausführte. Zwei Mal hat er die Therapie im Maßregelvollzug Bernburg schon abgebrochen. Jetzt wolle er das aber durchziehen, bekundete er.

Zu den Diebstählen, wovon zwei im Versuchsstadium steckengeblieben sind: Im Dezember 2013 aus der letzten Haft entlassen, ging er schon am 15. Januar dieses Jahres das erste Mal auf Diebestour. Im Stendaler Jenny-Marx-Heim stahl er die Geldbörse einer Mitarbeiterin mit 45 Euro Bargeld, EC-Karte und diversen Papieren. Zu seinen nächsten Zielen zählten eine Kita in Osterburg, Schulen in Salzwedel, ein Technikdiscounter im Stendaler Altmarkpark, eine Hotelrezeption, der MAD-Club in Stendal, die Landesstraßenbaubehörde (direkt neben dem Amtsgericht), ein Bildungsträger in Gardelegen, eine Kita in Uchtspringe, Schule und Kita in Börgitz.

Als er am 24. März in einem Supermarkt in Stendal-Stadtsee, wo er zuvor an einem anderen Tag schon Whisky im Wert von 177 Euro geklaut hatte, sechs Flaschen Grappa und einen Schoko-Riegel einsteckte, alarmierte die Ladendetektivin die Polizei und klickten die Handschellen. Seitdem ist er in Haft.

Ohne Therapie sind weitere Straftaten zu erwarten

Vom Aussehen ist der in Thüringen geborene Angeklagte eher der Typ des adretten Schwiegersohns, dem man die Vielzahl an angeklagten und von ihm auch eingeräumten Taten gar nicht abnehmen möchte.

"Die wesentliche Frage für das Gericht war die Frage, wie ist er zu bestrafen", sagte Richterin Ludwig. Der psychiatrische Gutachter hatte eine verminderte Steuerungsfähigkeit infolge der Drogenabhängigkeit nicht ausgeschlossen. Untherapiert seien weitere erhebliche Straftaten zu erwarten.

Darum empfahl Dr. Frank M. Wegener aus Lüneburg "in diesem begründeten Ausnahmefall" eine dritte Suchttherapie im Maßregelvollzug. Das Amtsgericht folgte dem Vorschlag, den auch schon Staatsanwaltschaft und Verteidigung unterstützt hatten.