Bürgerkrieg im Nahen Osten, Unruhen in der Ukraine, Hungersnöte in Afrika - die Zahl der Asylbewerber im Landkreis Stendal steigt. Deshalb werden in der Stendaler Gemeinschaftsunterkunft weitere Wohnungen für sie vorbereitet.

Stendal l Sie ist - aus deutscher Sicht - recht karg eingerichtet, die Wohnung von Familie Saiti. "Wir fühlen uns hier wohl", versichert Amrus Saiti, der mit seiner Frau Aljije und seinen vier Söhnen (15, 14 und zehnjährigen Zwillingen) 2010 nach Stendal gekommen ist. Weil Krieg in ihrer Heimat im Kosovo herrschte, so das Familienoberhaupt. Seither leben sie im Asylbewerberheim am Möringer Weg.

Doch nach vier Jahren scheint ein Abschied in Sicht. Die Familie hat eine Wohnung im Stadtseegebiet gemietet. Saitis sehen dem Umzug mit gemischten Gefühlen entgegen. Vor allem den Eltern fällt es nicht leicht, ihre gewohnte Umgebung zu verlassen. Sohn Robert dagegen freut sich. Er habe viele Freunde, auch deutsche in Stendal, die er dann öfter sehen könne. Und dann sagt der 15-Jährige: "Es ist schon peinlich zu sagen, dass man im Asylheim lebt."

95 Asylbewerber leben in Mietwohnungen

In diesem Jahr hat der Landkreis Stendal 64 Anträge von Asylbewerbern auf den Bezug einer Mietwohnung genehmigt, berichtet Sebastian Stoll (CDU), 2. Beigeordneter des Landrates. Damit leben derzeit 95 Personen in Mietwohnungen, die große Mehrzahl in Stendal.

Mit dieser sogenannten dezentralen Unterbringung, die das Land angeregt hatte, verfolgt der Landkreis zwei Ziele: die Integration der Asylbewerber und die Bereitstellung von Wohnraum.

Denn die Zahl der Asylbewerber steigt. Nahm der Landkreis im Vorjahr 164 auf, so waren es bis zum 10. September dieses Jahres bereits 210. "Bis zum Jahresende rechnen wir mit weiteren 100 Asylbewerbern", schätzt Stoll ein. Damit könnte es langsam eng werden. 370 Asylbewerber leben derzeit im Kreis, rund 330 davon in der Gemeinschaftsunterkunft.

Die Kapazität der zwei Fünfgeschosser mit ihren jeweils vier Aufgängen, die der Kreis beim Bundesvermögensamt gemietet hat, liegt bei 400 Bewohnern. "In den vergangenen Jahren hat ein Block ausgereicht. Inzwischen sind auch zwei Aufgänge im zweiten Block belegt. Und nun werden die restlichen zwei hergerichtet", erzählt Stoll. Im Oktober sollen die Arbeiten beginnen. Fensterbauer, Tischler, Elektriker, Maler müssen durch. Im Dezember können die ersten Asylbewerber einziehen.

Derzeit haben in der Unterkunft Menschen aus 24 Nationen ein vorübergehendes Zuhause gefunden, berichtet Torsten Werner, einer von vier Sozialarbeitern am Möringer Weg. Die meisten Bewohner kommen aus der Russischen Förderation, aber auch aus Tschetschenien, aus Syrien, vom Balkan, aus Afghanistan. "In jüngster Zeit haben wir viele junge Inder hier", so Werner, der einen Grund dafür nicht nennen kann. Auch jeweils ein Asylbewerber aus Sierra Leone und Guinea-Bissau lebt derzeit in der Unterkunft.

Hilfe bei Möbelsuche und Hausaufgaben

Angesichts der steigenden Zahl von Asylbewerbern hat sich der Kreis eine Reserve geschaffen. Sechs Wohnungen wurden bei der Stendaler Wohnungsbaugesellschaft angemietet. Wie auch bei den Wohnungen, die Asylbewerbern angemietet haben und natürlich in der Gemeinschaftsunterkunft, sorgt der Landkreis für die Einrichtung, unter anderem mit Kühlschränken und Waschmaschinen. Und die Bewohner werden nach Bedarf auch von den Sozialarbeitern betreut. "Es gibt viele organisatorische Fragen der Asylbewerber: Wo ist der Arzt? Wo können unsere Kinder zur Schule gehen? Wo kann man Deutsch lernen?", erzählt Werner.

Neben ihrer eigentlichen Arbeit kümmern sich die Sozialarbeiter aber auch beispielsweise um die Beschaffung von Möbeln. Beim häufigen Rein und Raus kostet das viel Zeit. Unterstützt werden sie unter anderem vom Freiwilligendienst, der für die Schulkinder eine Hausaufgabenhilfe anbietet.

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