Zu einer außerordentlichen Sitzung mit Begehung der Baustelle Grundschule Lüderitz traf sich am Mittwochabend der Bauausschuss der Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte. Hintergrund waren Vorwürfe über Bauverzögerungen, Mängel und Gefahren für die Schulkinder (Volksstimme berichtete).

Lüderitz l Ausschussvorsitzender Robert Gravert (SPD) hatte die Baustellenbegehung in Absprache mit der Verwaltung nicht öffentlich angesetzt, weil man sich zunächst "intern" ein Bild machen wolle, wie er auf Nachfrage erklärte.

Im Rahmen einer Runde mit Fraktionsvorsitzen hatte Wolfgang März (Die Linke) auf einen Vor-Ort-Termin gedrängt. "Wir wollen uns ein Bild machen vom Stand der Abarbeitung, aber auch davon, welche Probleme es gibt und wie die abzustellen sind", so Gravert. Er erklärte die verkürzte Ladungsfrist mit der Notwendigkeit, sich dringender Probleme zu widmen.

Zur Sitzung eingeladen war neben Schulleiterin Kathrin Dittmar auch Architekt Joachim Richter. Noch eine Woche zuvor hatten in dem von Kindern genutzten Schulteil (ehemaliger Hort- und Gemeindebürokomplex) Kabel aus der Wand gehangen, boten Bauzäune keine richtige Abgrenzung und waren Türen zur Baustelle unverschlossen. Auf diese und weitere Probleme wie unsachgemäße Renovierungen hatte Edith Braun vor Ort mehrfach hingewiesen. Auch sie zeigte Unverständnis darüber, dass die Begehung durch den Ausschuss nun unter Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgte.

Im Nachgang der Sitzung erklärte Gravert der Volksstimme gegenüber: "Ich bin nach dem Volksstimme-Bericht davon ausgegangen, dass der Schulbetrieb unter unzumutbaren Bedingungen verläuft, aber es hat sich offenbar massiv etwas getan." Gefährliche Situationen seien für den Ausschuss nicht erkennbar gewesen, allerdings, so sagt Gravert auch, "gilt der Schulleiterin und ihrem Team ein Dankeschön für das Arbeiten unter erschwerten Bedingungen".

Mit Lärm verbundene Arbeiten werden aber in die Zeit nach dem Unterricht verlegt, so habe es die Schulleiterin am Abend den Ausschussmitgliedern erläutert, auch die Absprachen mit den Baufirmen funktionierten vor Ort gut, sagt Gravert. Gesprochen wurde während des Rundgangs auch über den Baufortschritt. Der anvisierte Fertigstellungstermin sei nicht zu halten, so viel wurde schnell klar. Dafür sieht der Bauausschussvorsitzende sowohl den Planer als auch das Bauamt in der Pflicht.

Auch im Stadtrat sei das Thema bereits diskutiert worden, weil wiederholt zu spät ausgeschrieben worden sei, schätzt er ein. Das müsse sich in Zukunft ändern, dann gebe es auch mehr als einen Anbieter für eine Leistung.

Erich Gruber betonte vor Ort noch einmal, dass bei der Sanierung der Grundschule in Lüderitz die Umsetzung der Brandschutzauflagen Vorrang habe und für weitere Maßnahmen bisher kein Geld vorhanden sei. Hintergrund ist, dass die Lüderitzer, wie auch die Griebener Grundschule nach Maßgaben des Landes nicht förderfähig sind, weil sie mittelfristig nicht die vorgeschriebenen 80 Schüler erreichen.

Um künftig auch als kleine Schule auf dem Land förderfähig zu sein, brachte Stadträtin Edith Braun (WG Lüderitz) jetzt einen Antrag auf Bildung eines Schulverbandes mit Hauptstandort Tangerhütte und Nebenstandorten in Lüderitz und Grieben ein. Vorteile sieht sie in der Zukunftssicherung für die Dorfschulen und in besseren Chancen, bei der Vergabe von Stark-III Mitteln zur Schulbauförderung berücksichtigt zu werden. Über ihren Antrag soll in den kommenden Ratssitzungen diskutiert werden.

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