Zum zweiten Mal in diesem Jahr lud Sozialpädagogin Birgit Jaenecke Eltern und Interessierte zum Elternfrühstück in die Familienberatungsstelle Stendal ein, um über die Folgen von Trennungen für Kinder zu sprechen.

Stendal l "Fragt mich nicht, wen von euch beiden ich lieber mag und verwöhnt mich nicht um die Wette, denn so viel Schokolade, wie ich euch lieb habe, kann ich gar nicht essen." Mit diesen Worten appellierte Sozialpädagogin Birgit Jaenecke von der Erziehungs- und Familienberatungsstelle des Paritätischen kürzlich an die Eltern, auf die Bedürfnisse ihrer Kinder bei einer Trennung vom Partner einzugehen.

"Kinder leiden unter Trennungen, auch wenn sie so tun, als ob alles in Ordnung wäre", erzählte Birgit Jaenecke. Meist sei eine Trennung mit dem Gang zum Familiengericht verbunden und die Kinder müssen dort vielleicht noch eine Aussage machen, wenn der andere Elternteil mehr Umgangsrecht einklagt. Manchmal erspart eine Beratung den Gang vors Gericht, ist Jaenecke überzeugt.

Eine Trennung ist ein Stressfaktor für die ganze Familie. Meist zieht der Vater aus oder die Kinder müssen mit umziehen. Auch die Finanzen können sich verändern, weil ein Verdiener nicht mehr in der Familie ist, zählte die Sozialpädagogin auf. "Das soziale Umfeld reagiert auch auf die Trennung, so dass sich das Freunde-und Verwandten-Netz verändert." Kinder würden je nach Alter auf solche Situationen mit Bettnässen, Trennungsängsten, Aggressivität bis hin zu chronischen Kopfschmerzen und Magenbeschwerden reagieren.

Die Eltern kannten die Beschreibungen von Birgit Jaenecke nur zu gut. Eine Mutter bestätigte Jaenecke mit ihren Erfahrungen: " Gerade die Reaktionen aus dem sozialen Umfeld machen meiner großen Tochter schwer zu schaffen. Wenn sich ihr Vater mit seiner neuen Frau in der Öffentlichkeit präsentiert, kommen per Handy oft Fotos oder Kommentare von Bekannten."

Jedes vierte Kind bekommt eine Verhaltensstörung

Auch die anderen Teilnehmer erzählten, wie ihre Kinder mit der Situation umgehen.

Zwei Jahre nach der Trennung würden die Reaktionen der Kinder meist abklingen, erzählte die Sozialpädagogin. "Jedes vierte Kind weist danach jedoch Verhaltensstörungen auf, die den Eltern später Probleme machen." Die Symptome würden von Aggressionen, Lügen und Weglaufen bis hin zum Suizid reichen, warnte die Pädagogin.

Wem der Austausch und die Empfehlungen der Expertin in der Runde nicht reichen, der könne sich auch persönlich beraten lassen, gab Jaenecke mit auf den Weg.

Themen ergeben sich aus Beratungsgesprächen

Die Beraterin organisiert zusammen mit ihrer Kollegin Viktoria Schaumann, Psychologin und Beraterin, für interessierte Mütter und Väter das Elternfrühstück in der Beratungsstelle in der Osterburger Straße. Bereits zum dritten Mal konnten sich Eltern in kleiner Runde bei Kaffee und gedeckten Frühstückstisch über ihre Erfahrungen und Probleme austauschen. "Die Themen für die Veranstaltungen ergeben sich aus den Beratungsgesprächen mit den Eltern", sagte Jaenecke. Im April fand die erste Veranstaltung statt, in der über das Thema "Trotzphase" diskutiert wurde. Im Juni konnten sich Eltern über die Pubertät ihrer Kinder austauschen.

"Eine Mutter kam zu mir in die Beratung und war total verzweifelt, weil ihre pubertierende Tochter öfter die Türen knallt und rebelliert. Am Ende stellte sich heraus, es war eine ganz normale Pubertät und die Mutter hatte sie nur so stark empfunden." Manchmal helfe einfach ein Gespräch, erzählte die Sozialpädagogin.

"Das Elternfrühstück dient dem Erfahrungsaustausch und um von professioneller Seite Empfehlungen zu bekommen. Nicht nur Mütter, sondern auch viele Väter nutzen das kostenlose Angebot."

Das Angebot ist kostenfrei. Eine Teilnahme ist nur nach Anmeldung unter Telefon 03931/71 28 55 oder per E-Mail an www.eb-sdl-obg@paritaet-lsa.de. möglich.