Gudrun Wilke macht nicht viele Worte um ihr Wirken im Theaterförderverein. Für den Verein jedoch ist sie eine zuverlässige und unerlässliche Größe. Darum bekommt sie den Blumenstrauß des Monats Oktober.

Stendal l "Ach, ich wirke ja mehr so im Hintergrund." Wenn es nach Gudrun Wilke gegangen wäre, wäre für sie das "Blumenstrauß"-Gespräch mit diesen bescheidenen, aber ganz ehrlich gemeinten Worten am liebsten schon beendet gewesen. Aber ein bisschen mehr gibt es dann doch noch zu erzählen über ihre Mitarbeit und ihr Engagement im Theaterförderverein.

Und da Gudrun Wilke, wie sie später sagen wird, lieber schreibt als redet, übernimmt erstmal ihre Mitstreiterin und Theater-Fördervereinsvorsitzende Daniela Frankenberg das Reden. Sie war es schließlich auch, die fand, dass - wenn eben nicht der Verein als gesamtes geehrt werden könne - auf jeden Fall Gudrun Wilke den Blumenstrauß des Monats verdient habe, "weil Gudrun schon seit vielen Jahren immer zuverlässig, immer vorausschauend, ganz vieles im Blick habend und mit Fingerspitzengefühl für den Verein tätig ist".

Als Schatzmeisterin kümmere sie sich nicht nur um die Vereinskasse und -konten, sondern verstehe es auch, "auf Menschen zuzugehen, um Spenden zu werben, die richtigen Ansprechpartner zu finden, und sie hat ein Händchen dafür, Anfragen an potenzielle Unterstützer gut zu formulieren". Mitglieder verwalten und Spendenbescheinigungen schreiben kommen dann noch als ganz nüchtern-bürokratische Dinge hinzu, die Gudrun Wilke gern erledigt. "Unser Verein hat immerhin 86 Mitglieder, das ist nicht wenig und bedeutet viel Schriftwechsel", erklärt sie.

Der Verein heißt ganz genau "Freunde und Förderer des Theaters der Altmark", besteht seit September 1997 und sieht sich als Lobby des Theaters, setzt sich für dessen Erhalt als "künstlerisch freier und unabhängiger Kulturträger ein", so ist auf der TdA-Homepage zu lesen. Und wenngleich Gudrun Wilke erst seit 2006 Mitglied des Fördervereins ist, ist sie dennoch "mit Theater groß geworden", sagt sie.

Schon als Schülerin gern ins Theater gegangen

In Salzwedel verbrachte Gudrun Wilke ihre Schulzeit, und wenn das Theater in der Stadt war, war sie unter den Zuschauern. "Ich gehe gern ins Theater", sagt die 63-Jährige, die vielen Stendalern aus ihrer Zeit als Mitarbeiterin der Volksbank noch ein Begriff sein dürfte. Am liebsten schaut sie sich Vorstellungen im Großen Haus an, "das ist ein schönes Gefühl". Aber auch den neu gestalteten Kaisersaal mag sie.

Ihr Arbeitsleben als Sekretärin ist zugunsten der Altersrente beendet, aber ihr Wirken in der Stendaler Kulturszene hält an. So begleitet Gudrun Wilke zum Beispiel weiterhin die Ausstellungen im Kunstkabinett der Volksbank. Und reiht sich eben in das Fünfer-Vorstandsteam des Theaterfördervereins ein.

Sie hat die Anschaffung des Konzertflügels mit begleitet, die Beschriftung des neuen Theaterbusses, die Anschaffung von Technik und Bühnenausstattung und als wichtigsten Teil der Vereinsaufgaben die Jugendarbeit am Theater. Und nicht zu vergessen: die jährliche Verleihung des Theaterpreises, in dessen Rahmen Gudrun Wilke sogar schon als Laudatorin auftrat - 2010, als Frederike Duggen den Preis bekam. Und am heutigen Sonnabendvormittag wird Wilke dabei sein, wenn der Förderverein bei den Bauarbeiten auf dem Theaterhof mitwirbelt.

"So wie andere im Sportverein sind, bin ich eben im Theaterförderverein", sagt sie. Aber hinter dieser lapidaren Aussage steht eben doch etwas mehr. Eine Stadt ohne Theater? "Ist sicher möglich", antwortet Gudrun Wilke, "aber besser ist es doch für eine Stadt, ein Theater vor der Haustür zu haben. Und ich weiß, dass, wenn jemand neu in eine Stadt ziehen möchte, als Erstes nicht nur nach Schulen und Ärzten gefragt wird, sondern eben auch nach dem Kulturangebot." Stendal und das Theater brauchten den Förderverein, "weil das Theater dadurch eine gute Verankerung finden kann in der Bürgerschaft", formuliert es Daniela Frankenberg. "Wir signalisieren durch unser Wirken: Es gibt Menschen in dieser Stadt, denen ihr Theater besonders wichtig ist." Und sie tun dies eben auch, "weil die öffentlichen Kassen so knapp sind, dass vieles anders nicht bewerkstelligt werden könnte". Und natürlich auch aus einem ganz einfachen, aber nicht ganz unwichtigen Grund: "Weil es uns Spaß macht." Und ohne den Förderverein, sagt sie, "würde es manches am Theater gar nicht geben".