Seit Jahren beschäftigt sich Klaus-Werner Haupt mit Johann Joachim Winckelmann. Seine Recherchen hat er im Buch "Johann Winckelmann - Begründer der klassischen Archäologie und modernen Kunstwissenschaften" verarbeitet.

Stendal l Seine erste Begegnung mit Winckelmann war eine literarische - und eine eher zufällige. Sein Bruder hatte Mitte der 1960er Jahre Claus Backs Winckelmann-Roman "Der Weg nach Rom" geschenkt bekommen - und Klaus-Werner Haupt griff zu diesem Buch. Der Autodidakt Winckelmann interessierte den jungen Mann, geboren 1951, der Lehrer werden wollte - und der es wurde. Als Gymnasiallehrer für Englisch und Deutsch fuhr er oft nach Weimar, anfangs mit Klassen, später mit Projektgruppen.

Eine solche Fahrt gab es auch im Frühjahr 2009. Und bei dieser geschah es: Vor dem Weimarer Stadtschloss sah Klaus-Werner Haupt ein großes Plakat, auf dem "ein Mann mit Pelz und Turban auf dem Kopf" für das Schlossmuseum warb. "Da war er wieder da", erinnert sich der Spremberger an den Moment der Wiederbegegnung. An den Moment, seit dem er mehr wissen wollte über den Mann dort auf dem Plakat. Der war kein anderer als Johann Joachim Winckelmann, gemalt von Anton Maron. Und der Bogen schließt sich: Dieses bekannte Gemäldemotiv ziert jetzt die Titelseite des Buches "Johann Winckelmann - Begründer der klassischen Archäologie und modernen Kunstwissenschaften", in diesem Jahr erschienen in der Weimarer Verlagsgesellschaft.

Doch bevor Klaus-Werner Haupt im Frühjahr im legendären Hotel "Elefant" in Weimar das Buch präsentieren konnte, waren er und seine Frau Hanne - "sie war immer dabei" - in Deutschland und in Italien unterwegs, um in Museen, Archiven und an Originalschauplätzen zu recherchieren. Die Zeit dazu hatte er. Denn ein Jahr nach dem Plakat-Erlebnis in Weimar ging der Lehrer in den Vorruhestand.

"Ohne Winckelmann wären viele Werke der Weimarer Klassik nicht denkbar"

Die Sorgen von Kollegen und Freunden, dass er in das sprichwörtliche schwarze Loch falle, musste er nicht teilen. Denn da war ja Winckelmann, der Mann vom Plakat, den er nun, mit entsprechender Zeit und Ruhe, richtig kennenlernen wollte.

Aber woher kommt die Begeisterung für den gebürtigen Stendaler? Aus der Beschäftigung mit den Weimarer Klassikern. "Ohne Winckelmann wären viele ihrer Werke nicht denkbar", antwortet Haupt.

Er besorgte sich Literatur und las viel über Winckelmann. Dabei hat er nicht nur viel über den Altertumsforscher erfahren, sondern auch über die zahlreichen Fehlinterpretationen der Winckelmannschen Werke in den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten. Haupt nennt als Beispiel die "weißen Körper". Während Winckelmann von den farbigen Skulpturen und Tempeln in der griechischen und römischen Antike wusste und auch darüber schrieb, wurde die Farbe in späteren Betrachtungen - zum Beispiel von Goethe und seinen Anhängern - weggelassen. Und darum haben heute viele dieses Bild: Die antiken Skulpturen waren weiß.

"Wichtig ist aber immer, die Originalquellen zu studieren", sagt der Autor, der Mitglied der Winckelmann-Gesellschaft ist. Gesagt, getan. Darum war der ehemalige Lehrer im Winckelmann-Institut der Berliner Humboldt-Universität, in der Antikensammlung in Leipzig, im Stendaler Winckelmann-Museum, im Lessing-Museum Kamenz, in der Studienstätte Schloss Nöthnitz und andernorts. "Wir waren zuerst in Deutschland auf den Spuren Winckelmanns", erklärt er. Dabei hatte er unter anderem das Glück, ins Innere von Schloss Nöthnitz in Sachsen zu kommen. Winckelmann hatte dort einige Jahre als Bibliothekar gearbeitet. Auch die "drei Herkulanerinnen" - Winckelmanns Schlüsselerlebnis - hat er sich im Dresdner Albertinum angeschaut.

Dann der nächste Schritt: Im Jahr 2012 ging es nach Rom und an den Golf von Neapel. Zum Programm gehörte ein Besuch in der Winckelmann-Schule in Rom. Im selben Jahr veröffentlichte Klaus-Werner Haupt "in Eigenregie" sein Buch "Die zwei Federn des Johann Winckelmann. Oder: Wer sein Glück erkennt und nutzt, der ist wert!" Auf dieses Buch wurde die Weimarer Verlagsgesellschaft aufmerksam, von dort kam das Angebot: Wenn es um Winckelmanns Bedeutung für die Weimarer Klassik erweitert wird, dann gibt es eine Neuauflage in der Verlagsgesellschaft. Der Spremberger nahm das Angebot an - und reiste noch einmal für Recherchen nach Rom.

Im Frühjahr dieses Jahres stellte Klaus-Werner Haupt sein neues Buch vor. In Stendal präsentierte er es während der Kulturnacht im Stadtarchiv. Seit Erscheinen gab es mehrere Lesungen, im Zusammenhang mit Ausstellungen in München, Hamburg, Hannover und andernorts wurde und wird das Werk gut verkauft. Der Autor freut sich über positive Kommentare zum Inhalt oder erstaunte Bemerkungen wie "Das haben wir noch gar nicht gewusst!"

"Wenn es läuft wie geplant, dann soll 2015 das nächste Buch erscheinen"

Auf knapp 300 Seiten zeichnet Haupt nicht nur ein sehr detailreiches Porträt Winckelmanns, sondern lässt auch Zeitgenossen und spätere Anhänger und Kritiker zu Wort kommen. Er nimmt den Leser mit zu den Stationen eines spannenden Lebens, zu den Stationen in der Altmark ebenso wie zu denen in Italien, zu denen des Privatmannes und denen des Wissenschaftlers. Er macht den Leser bekannt mit einem kämpferischen Geist, der seinen Weg geht vom Schuhmachersohn zum Begründer der klassischen Archäologie und modernen Kunstwissenschaften. Zahlreiche Fotos und Darstellungen runden das Erzählte ab und sind eine weitere Facette, die dieses Sachbuch unterhaltsam und informativ zugleich machen.

Klaus-Werner Haupt arbeitet schon am nächsten Buch. Darin schaut er ins 19. Jahrhundert, schaut, "wer immer am Winckelmannschen Faden unterwegs war", erklärt der Spremberger. Wenn es läuft wie geplant, dann soll das Buch 2015 veröffentlicht werden.

Bilder