Darmkrebspatienten kostet es oft große Überwindung, über ihre Krankheit und die Folgen zu sprechen. Darum soll am 10. Dezember in Stendal eine Selbsthilfegruppe gegründet werden.

Von Christian Bark

Stendal l Mit der Diagnose Darmkrebs werden jährlich bis zu 2000 Patienten in Sachsen-Anhalt konfrontiert. "Da bricht für viele Betroffene erstmal eine Welt zusammen", sagt Prof. Dr. Jörg Fahlke, Medizinischer Leiter des Darmkrebszentrums am Stendaler Johanniter-Krankenhaus. Hier werden pro Jahr rund 100 Darmkrebsoperationen durchgeführt, für 30 bis 35 Patienten geht der Sieg über den Krebs jedoch mit einem künstlichen Darmausgang einher, einem sogenannten Stoma.

Zudem ist ein spezieller Beutel nötig, der, auf die Stomaöffnung aufgeklebt, die Ausscheidungen auffängt. "Das ist insbesondere dann die Folge, wenn bei dem Eingriff der Schließmuskel geschädigt wurde", erklärt Fahlke. Für manche Patienten würde aber auch ein temporäres Stoma gelegt, bis der natürliche Darmausgang wieder funktionsfähig sei.

Über 100000 Menschen leben in Deutschland zeitweilig oder dauerhaft mit einem Stoma, in der Altmark dürften es heruntergerechnet rund 250 Betroffene sein. "Für diese Menschen ist ein gemeinsamer Erfahrungsaustausch wichtig, denn ein Leben mit Stoma zieht gewisse Einschränkungen nach sich", sagt Jörg Fahlke.

Gemeinsam über Probleme sprechen und Fragen klären

Ein solcher Austausch findet in den zwölf Selbsthilfegruppen des Landesverbands Sachsen-Anhalt der Deutschen ILCO statt, der Selbsthilfeorganisation für Stomaträger und Menschen mit Darmkrebs. "In der Altmark gibt es leider noch keine Selbsthilfegruppe, ein erster Anlauf vor drei Jahren ist im Sand verlaufen", sagt der ILCO-Landessprecher Roberto Stolte. Er ist selbst Stomaträger und weiß, welche Überwindung es Betroffene kostet, über ihre Probleme zu sprechen. "Das fällt in einer Gruppe mit Leidensgenossen leichter", sagt er. Themen wie Sport treiben, schwimmen gehen oder Leistungsangebote der Krankenkassen, aber auch fachärztliche Hinweise werden in den Gruppen diskutiert, vermutlich bald auch in Stendal. Denn am 10. Dezember lädt die ILCO um 14 Uhr zur zweiten Informationsveranstaltung in den Muttersaal des Stendaler Johanniter-Krankenhauses. "Wenn genug Interessenten kommen und sich Verantwortliche finden, werden wir an dem Tag die Selbsthilfegruppe Altmark ins Leben rufen", kündigt Stolte an.

Ein großes Problem wird seiner Ansicht nach die Anreise Betroffener sein, denn die Altmark ist weitläufig. Eine Möglichkeit könnten Stolte zufolge regelmäßige Treffen an verschiedenen Orten sein, wie zum Beispiel in der Reha-klinik Kalbe. Wichtig sei aber, dass sich die Gruppe zunächst einmal in Stendal etabliert. Neben der Klärung von Problemfragen, wie Stomaträger monatlich mit den von den Krankenkassen finanziertem Kontingent von 90 Stomabeuteln auskommen, sollen auch Gruppenfahrten oder Weihnachtsfeiern von der Beeinträchtigung ablenken.