Stendal l In gemütlicher Tee- und Kuchenrunde ließen die chinesischen Gäste der Hochschulen in Chongqing und Taigu am Dienstagnachmittag gemeinsam mit Hans-Jürgen Kaschade ihren dreitägigen Stendal-Besuch im "Kaffeekult" ausklingen. "Diesen Kuchen hier nennen wir kalte Hundeschnauze. Der muss nicht gebacken werden", erklärte Kaschade den 20 Chinesen die süßen Leckerbissen und erntete damit ein kollektives Gelächter über den merkwürdig klingenden Namen.

Bis dahin hatten die Gäste aus Fernost schon das Unternehmen JS Lasertechnik, das Innovations- und Gründerzentrum BIC sowie die Classic-Garage besucht. "Auch eine spontane Stadtbesichtigung und ein Treffen mit dem Oberbürgermeister haben wir schon hinter uns", sagte Hans-Jürgen Kaschade.

Chinesen nehmen guten Eindruck mit nach Hause

Es war der zweite Stendal-Besuch chinesischer Hochschullehrer in diesem Jahr. Zuletzt war eine Delegation aus dem Reich der Mitte im Sommer in die Altmark gereist. Keiner der 20 Chinesen, die am vergangenen Sonntag in der Hansestadt ankamen, hatte bis dahin die Altmark besucht.

Auch die beiden Hochschuldirektoren Bangman Yin und Chunyou Huang waren positiv überrascht. "Hier ist alles so schön sauber. Historische und neue Bauten stehen in harmonischer Komposition beieinander", lobte Huang das Stadtbild. Er war am Montag extra früh aufgestanden, um etwas mehr von der Stadt zu sehen. "Die Leute sind sehr nett. Trotz der Kälte war es hier alles sehr beeindruckend", bemerkte sein Kollege Yin. Ziel der Delegation war es, das deutsche Bildungssystem näher kennenzulernen. Dabei standen die Themen Unternehmensgründung, Berufsbildung und ehrenamtliches Engagement im Fokus.

Stiftungswesen wird in China vom Staat gelenkt

Am Dienstagnachmittag referierte Hans-Jürgen Kaschade nun im Gewölbekeller des "Kaffeekult" über das deutsche Stiftungswesen. In Sachsen-Anhalt gibt es ihm zufolge 200 Stiftungen, vier davon in Stendal, eine davon wurde von ihm gegründet. Die "H. u. H. Kaschade Stiftung" könne durch kluges Wirtschaften mit 50000 Euro pro Jahr Kultur- und Bildungsprojekte wie das Künstlerstipendium oder ein Studentenaustauschprogramm unterstützen. Zudem hob Kaschade das Engagement einzelner Privatleute hervor. "Sie dürfen bei dem aktuellen Zinssatz das Stiftungsvermögen nur nicht in Deutschland anlegen", bemerkte er ironisch.

Auch Chinas Bildungslandschaft könne von der Initiative privater Stifter und Stiftungen profitieren. "Der Stiftungsgedanke täte China gut", so Kaschade. Dolmetscherin Haixia Wang übersetzte ihren Landsleuten die Ausführungen des Stiftungsgründers. Die chinesischen Gäste wollen Gehörtes gerne in ihrer Heimat zur Sprache bringen.

"Privates Engagement hat in China einen schweren Stand", erklärte Bangman Yin. Der Staat kontrolliere neben dem Bildungs- auch das Stiftungswesen und lenke es nach seinen Vorstellungen. "Einige Stiftungen wurden aber auch von Privatleuten zur Geldwäsche missbraucht", so Yin weiter. Trotzdem wollen er und seine Kollegen das deutsche Vorbild in der Volksrepublik bekannter machen.

Am Ende gab es für Kaschade noch ein Geschenk aus Fernost. Ohne es zu öffnen, riet er: "Da wird bestimmt eine Teekanne drin sein. Die hat der Oberbürgermeister auch bekommen."