Stendal l Thomas Richter-Mendau hat eine alte Ausgabe des "Zentralblattes der Bauverwaltung", in dem über die Eröffnung des Stendaler Gefängnisses 1905 ein Artikel erschien. "Das Gebäude bietet in vier Geschossen Raum zur Unterbringung von 90 Gefangenen - 70 Männern und 20 Weibern -, von denen 50 Männer und 16 Weiber in Einzelzellen, die übrigen Männer in vier, die Weiber in einer Zelle für gemeinsame Haft untergebracht sind", ist darin unter anderem zu lesen.

Bau verzögerte sich um ein Jahr

Genau 110 Jahre später, Ende kommenden Jahres, soll an dieser Stelle die Wohnanlage Domblick eröffnen. Dann werden die Wohnverhältnisse ganz anders sein, doch es ist auch gerade das Ungewöhnliche, das Richter-Mendau auf die Idee kommen ließ, das Gefängnis zu kaufen. 2012 erhielt seine Frau Bianka den Zuschlag - für rund 37000 Euro. Etwa zweieinhalb Millionen Euro werden in das Projekt investiert.

"Ich würde mir mehr Kooperation der Denkmalschutzbehörde wünschen, praktisch als Mittler zwischen den Gesetzen und dem Bauherrn", schilderte er eine schwierige Entwicklung. Viele Details, die die Denkmalschützer wissen wollten, hätten vor Baubeginn noch gar nicht feststehen können. Letztlich klappte es aber mit der Baugenehmigung, allerdings verzögerte sich noch die Finanzierung. Rund ein Jahr herrschte Ruhe auf der Baustelle, Ende 2013 hatte Richter-Mendau angekündigt, dass die ersten Mieter Ende 2014 einziehen würden. "Ich habe mich in der Zwischenzeit auch mehr auf andere Projekte konzentriert", nannte er einen Grund für die Verzögerung. Im Januar sollen die Arbeiten wieder aufgenommen, die Wohnanlage Ende 2015 eingeweiht werden.

Dann öffnet auch das Dom-Café seine Pforten. Und wartet mit einer Besonderheit auf: Das Stendaler Hansa-Bier kehrt zurück. "Die Marken - und Namensrechte sind gesichert, mehr wird noch nicht verraten", sagte Richter-Mendau.