In der Kernstadt Stendal leben 31741 Menschen, das sind 340 mehr als im Vorjahr. Zur Wendezeit hatte die Stadt mit 50717 den historischen Höchststand. Von einer generellen Trendwende kann nicht ausgegangen werden.

Stendal l Auf dem Neujahrsempfang am Freitag konnte Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) frohlocken: Erstmals seit der politischen Wende 1989 gibt es bei der Hansestadt innerhalb eines Jahres ein Einwohnerplus. In der Kernstadt ohne die Ortsteile ist 2014 die Zahl um 340 Menschen gestiegen (die Volksstimme berichtete).

Begründbar ist dies ganz offensichtlich durch einen Überhang bei den Zuzügen. Denn nach wie vor gibt es bei den Geburten und Sterbefällen einen Überhang bei den Toten. Den 842 Geburten standen im vergangenen Jahr in Stendal 960 Todesfälle gegenüber. Eine genaue Zuzugstatistik hatte die Stendaler Verwaltung gestern nicht parat.

Ältere Menschen ziehen vom Land in die Stadt

"Dass die Zahl der Einwohner bei größeren Städten zunimmt, ist ein Trend", sagt Georg-Wilhelm Westrum, Amtsleiter für Stadtumbau und Sanierung. Insbesondere ältere Menschen ziehen von den Dörfern in Zentren, bei denen sie die Infrastruktur für die medizinische Versorgung und auch den täglichen Bedarf in der Nähe haben.

Allerdings ist die Einwohnerzahl nicht nur in der Kernstadt, sondern im Saldo auch bei den Ortsteilen gestiegen. Insgesamt hatte Stendal zum Ende 2014 40777 Einwohner (2013: 40753). Die Frage, inwiefern auch Zuzüge durch Studenten (Begrüßungsgeld seit einem Jahr für Anmeldung als Hauptwohnsitz) und durch Asylbewerber die Statistik aufgebessert haben, konnte die Verwaltung gestern nicht beantworten.

Mittelfristige Prognose geht von Rückgang aus

"Bei den Zahlen handelt es sich um eine Momentaufnahme", sagt Westrum. Noch gehe man bei den Prognosen mittelfristig durch den demografischen Wandel von einem Einwohnerrückgang auch in der Kernstadt Stendal aus. Auch beim Stadtumbau gehe man davon aus, dass der Leerstand sich wieder erhöht, wenn nicht auch in Zukunft Wohnungen abgerissen werden, sagte Westrum.

Es ist zu konstatieren, dass Stendal seit der Wende erheblich an Einwohnern verloren hat. Während der Landkreis rund 23 Prozent verloren hatte, lag der Wert bei der Stadt Stendal bei rund 28 Prozent - und damit über dem Landesdurchschnitt. Diese Werte gehen aus dem Stadtentwicklungskonzept der Stadt von 2013 hervor.

Eine spezielle Situation hat sich in Wahrburg ergeben. Dort gibt es statistisch einen Rückgang von 249 Einwohnern auf 890. "Die Grenze wurde neu festgelegt", erläutert Stadtsprecher Klaus Ortmann. Die Bahntrasse wurde 2014 als Ortsteilgrenze festgelegt. Der Bereich nördlich davon gehört nicht mehr dazu. Damit kann Wahrburg - zumindest bis 2019 - seinen Ortsteilstatus behalten. Nach Vorgaben des Landes Sachsen-Anhalt muss dazu eine klare Abgrenzung zum Stadtgebiet vorhanden sein.

Eine weitere gravierende Abweichung zum Vorjahr ergibt sich in Süd, wo mittlerweile nach der Statistik nur noch 335 Menschen leben (2013: 502). In der Realität sind es vermutlich noch weniger.