Seit fünf Jahren ist das Holzpelletwerk in der Arneburger Straße von Tangermünde sich selbst überlassen. Weder Insolvenzverwalter Lucas Flöther noch die Nord/LB fanden bisher eine Lösung. Die Staatsanwaltschaft Magdeburg hat hingegen ihre Ermittlungsverfahren fast abgeschlossen.

Tangermünde l Die hochmoderne Investruine am Ortseingang von Tangermünde aus Richtung Elbbrücke kommend ist vielen Tangermündern ein Dorn im Auge. Niemand hat Verständnis dafür, dass keine Lösungen gefunden werden, der Millionen-Bau nur wenige Wochen nach seiner Inbetriebnahme wieder stillgelegt wurde.

"Anderthalb Jahre haben wir intensiv mit einem Interessenten verhandelt", berichtete jetzt eine Mitarbeiterin von Insolvenzverwalter Lucas Flöther. "Doch am Ende konnte er keine Finanzierung vorlegen." Ende 2012 hatte Flöther selbst erklärt: "Wir befinden uns auf der Zielgeraden." "Das Werk könnte branchenüblich fortgeführt werden", sagte der Anwalt. Die potenziellen Interessenten, die er dafür gefunden habe, "kommen aus dieser Branche".

Die Norddeutsche Landesbank (Nord/LB), die das Grundpfandrecht für das Holzpelletwerk besitzt, ist ebenfalls auf Lösungssuche. Der stellvertretende Pressesprecher, Thomas Klodt, teilte auf Nachfrage mit: "Die Nord/LB arbeitet weiter intensiv an einer Lösung für den Standort Tangermünde und befindet sich dabei auch in Gesprächen mit potenziellen Investoren." Konkretere Angaben wollte er nicht machen.

Umfangreiche Ermittlungen kurz vor dem Abschluss

Mittlerweile hat sich auch die Staatsanwaltschaft Magdeburg eingeschaltet und "umfangreiche staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wegen Insolvenzstraftaten" und anderen Dingen eingeleitet, "die kurz vor dem Abschluss stehen", teilte Frank Baumgarten von der Staatsanwaltschaft Magdeburg mit. Seien diese abgeschlossen, werde entschieden, ob Klage erhoben oder das Verfahren gegen den einstigen Alleingesellschafter Michael Kruthoffer eingestellt werde.

Kruthoffer ist selbst als Rechtsanwalt im hessischen Seligenstadt tätig. Das Tangermünder Holzpelletwerk hatte er innerhalb von 13 Monaten bis Ende 2009 für 18,5 Millionen Euro errichten lassen. Dazu nahm er unter anderem Fo¨rdermittel in Anspruch: 1,7 Millionen Euro Investitionszulage und 1,3 Millionen Euro Investitionshilfe, ausgezahlt von der Landesinvestitionsbank. Die von einem Hamburger Anlagenbauer hier installierten Maschinen und Vorrichtungen für fast fünf Millionen Euro wurden nicht bezahlt. Einen Teil demontierte das hanseatische Unternehmen deshalb Anfang 2010 wieder.

Bereits einige Jahre zuvor war Kruthoffer zusammen mit Wolfgang Neubauer in Tangermünde aufgetreten, hatte das Heizkraftwerk betrieben, das Fernwärme produzierte. In einem eisigen Winter wurde die Produktion eingestellt. Etliche Tangermünder mussten mehrere Wochen nach alternativen Heizmöglichkeiten greifen.