Der Kreisschulausschuss sprach sich auf seiner Sitzung am Dienstagabend mit fünf zu zwei Stimmen gegen die Umwandlung der Karl-Marx-Sekundarschule Osterburg zum kommenden Unterrichtsjahr in eine Gemeinschaftsschule aus.

Von Volker Langner

Stendal l Rund 20 Gäste verließen nach der Abstimmung enttäuscht und entrüstet das Landratsamt. Lehrer und Elternvertreter der Karl-Marx-Schule, weitere Eltern von Schülern und sogar eine Oma hatten die Beratung verfolgt und sich ein anderes Ergebnis gewünscht. Stattdessen sind die Chancen für eine Gemeinschaftsschule in Osterburg gesunken.

Nachdem es bei der Sitzung des Fachausschusses im Dezember bei der gleichen Abstimmung ein Patt gegeben hatte, zeichnete sich nun am Dienstag frühzeitig die Ablehnung ab. Denis Gruber (SPD), der zur Einleitung unter anderem auf die Schulentwicklungsplanung und den Aufbau von Gemeinschaftsschulen im Land einging, empfahl aus "Sicht der Verwaltung, der Beschlussvorlage nicht zuzustimmen". Als einen Grund führte der 1. Beigeordnete des Landkreises eine mögliche Gefährdung der Goldbecker Sekundarschule und damit des geplanten Schulzentrums - Grundschule und Sekundarschule sollen einen räumlichen Komplex bilden - in Goldbeck an.

Janas: Keine Konkurrenz für das Gymnasium

In der Diskussion spielte die Gefährdung anderer Schulen durch den möglichen Wechsel von Schülern an eine Osterburger Gemeinschaftsschule nur noch eine untergeordnete Rolle. Allein Torsten Dobberkau (SPD-Fraktion), der Goldbecker Bürgermeister ist, wies auf die Gefahr für Goldbeck hin. Lediglich sechs Minuten seien es mit dem Zug von Goldbeck nach Osterburg; da könnte für manche Eltern Goldbecker Sekundarschüler eine Gemeinschaftsschule in Osterburg attraktiver sein.

Peter Zimmermann und Horst Janas (beide Die Linke) glauben dagegen an keine Gefährdung. Sie votierten für die Osterburger Gemeinschaftsschule. Eine Gemeinschaftsschule diene dazu, allen Kindern die Möglichkeit zu geben, länger gemeinsam zu lernen und so einen höchstmöglichen Abschluss zu erlangen, erklärte Zimmermann.

Janas schlug in die gleiche Kerbe. Potenzial, das Grundschüler noch nicht zu besitzen scheinen und deshalb nicht ans Gymnasium wechseln, könne mitunter später an der Gemeinschaftsschule abgerufen werden. "Diese Chance müssen wir den Kindern auch in Osterburg geben", forderte er. Und der Lehrer am Markgraf-Albrecht-Gymnasium Osterburg ging auf einen Fakt ein, der im Raum stand, ohne an diesem Abend konkret formuliert zu werden: die Konkurrenz zwischen einem Gymnasium und einer Gemeinschaftschule in der Biesestadt. "Das Gymnasium würde dadurch nicht gefährdet. Vielleicht hätte es weniger Schüler und dann kleinere Klassen. In denen lässt es sich aber besser arbeiten."

Das weitere Pro und Kontra schweifte hin und wieder in die "große Politik" und auf Nebenschauplätze ab. Annegret Schwarz (CDU) merkte an, Gemeinschaftsschulen sollten sich als zusätzliche Schulform in Sachsen-Anhalt etablieren, aber nicht flächendeckend die Sekundarschulen ablösen. Zudem befand sie, das gute Konzept für eine Gemeinschaftsschule Osterburg könne ebenso gut an der Sekundarschule angewendet werden. Auch Ausschussvorsitzender Henning Richter-Mendau (CDU) sieht das "mehrgliedrige Schulsystem" gefährdet und berief sich dabei auf den Philologenverband des Landes.

Kreistag spricht am 19. Februar das letzte Wort

Frank Wiese (Landwirte für die Region), der gegen die Umwandlung stimmte, sagte, er habe Angst vor der Politik, Angst, dass nach der Landtagswahl im nächsten Jahr mal wieder ein neues Bildungskonstrukt auf den Tisch komme. Man solle im Kreis Stendal erst einmal mit den Gemeinschaftsschulen in Seehausen und Tangerhütte Erfahrungen sammeln und die Umwandlung der Osterburger Schule verschieben. Grit Dräger, die als sachkundige Bürgerin im Ausschuss sitzt, sieht durch Gemeinschaftsschulen nicht nur bessere Bildungschancen für die Kinder, sondern auch die Möglichkeit, mehr junge Pädagogen für den Einsatz in der Region zu begeistern.

Dobberkau meldete sich noch einmal zu Wort und machte klar: "Gibt es die Gemeinschaftsschule Osterburg, dann folgt ein Antrag für Goldbeck."

Ob die Gemeinschaftsschule ab Ende August in Osterburg Einzug hält, entscheidet letztlich der Kreistag am 19. Februar. Zu dieser Sitzung wollen Lehrer und Elternvertreter der Osterburger Sekundarschule wiederkommen. Das kündigten sie nach dem Ausschuss am Dienstag an. Ihre Empörung war groß, wie Reaktionen vor Ort und gestern zeigen.

Karin Christiansen- Weniger, Vorsitzende des Schulfördervereins, ist "entsetzt, dass gewählte Volksvertreter den in einem Beschluss der Gesamtkonferenz dokumentierten Willen der gesamten Osterburger Sekundarschule zur Profilierung als Gemeinschaftsschule so ignorieren".Kommentar