Ein Jahr nachdem die Außenwände des Stendaler Winckelmann-Museums neu gestrichen wurden, gibt es im Frühjahr eine neue Farbe - zumindest für die Fachwerkbalken. Um die Gestaltung der Fassade gab es eine hitzige Diskussion.

Stendal l Bislang war die neue Fassade des Stendaler Winckelmann-Museums von der städtischen Denkmalbehörde "als stilgerecht" verkauft worden. Nun spricht der Landesdenkmalpfleger Hefried Weidner aus Halle von einem "Zufallsprodukt", das niemand in dieser Form gewollt habe. Wenngleich auch er sagt, dass eine monochrome Fassade stilecht für das 18. Jahrhundert ist.

Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) und auch Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) hatten sich im vergangenen Sommer bei einem Vororttermin erstaunt über die Fassadengestaltung geäußert, insbesondere den monochromen Anstrich des Fachwerks. "Das wird nicht so bleiben", sagte Schmotz seinerzeit in einer spontanen Reaktion.

Im Frühjahr werden die Balken neu gestrichen

Zuvor hatten auch Max Kunze, Präsident der Winckelmann-Gesellschaft, heftige Kritik an der Ausführung der Fassadensanierung geäußert. Den "Charme eines Gefängnishofes" hatte er den rückwärtigen Wänden des Museumsgebäudes bescheinigt, welches im Besitz der Stadt ist und in dem die Winckelmann-Gesellschaft ihr Museum betreibt.

Nun soll es im Frühjahr tatsächlich einen Neuanstrich geben, wie Helfried Weidner gestern auf Anfrage bestätigte. Die Stadt war zu einer offiziellen Stellungnahme nicht bereit. "Wir müssen uns noch intern abstimmen", sagte Hans-Jürgen Borstel vom Bauaufsichtsamt. Weidner hatte in dieser Woche einen Vortrag über Fassadengestaltung im Stendaler Rathaus gehalten (siehe Beitrag auf Seite 19).

Auch die "Schusterbude" wird entfernt

Es sollen die Balken des Fachwerks "dezent neu gestrichen" werden, sagt Weidner. Es sei von Anfang an nicht beabsichtigt gewesen, Wandfläche und Balken in eine Farbe zu streichen. Am Endes sei es Zufall gewesen, dass beide Farbtöne nahezu gleich ausgefallen seien. Bei der nun anstehenden Nacharbeit sollen auch Risse in Balken beseitigt werden.

Außerdem soll der blaue Streifen, der sich mittig über die Fassade zieht, entfernt werden. Auch der angedeutete Hausumriss der ursprünglichen Schusterei des Vaters von Johann Joachim Winckelmann (1717-1768) soll an der Frontfassade entfallen. "Das Haus ist ja keine Weihnachtsmarktbude", so Weidner.

Der Denkmalpfleger erteilt der Vorstellung von Max Kunze eine Absage, der das Museum am liebsten in einem "mediteranen Anstrich" mit blauen Balken - wie beim Nachbarhaus - gesehen hätte. "Dafür gibt es keine historischen Vorbilder, nicht mal in Griechenland", so Weidner. Seite 19