Stendal l Ein psychisch kranker Insasse des Maßregelvollzugs Uchtspringe, Außenstelle Lochow (Jerichower Land) soll versucht haben, einen Mitpatienten im Schlaf zu töten.

Seit dem gestrigen Dienstag muss sich der 29 Jahre alte Angeklagte vor der Schwurgerichtskammer am Landgericht Stendal wegen versuchten Mordes im Zustand verminderter Schuldfähigkeit verantworten. In der Nacht vom 1. zum 2. Dezember 2013 hat er laut Anklage seinen schlafenden Zimmergenossen zunächst von hinten gewürgt. Als dieser sich wehrte, habe er dem Opfer mehrere Faustschläge ins Gesicht verpasst, heißt es in der Anklage. Dem Opfer gelang die Flucht aus dem Zimmer. Es trug unter anderem Blessuren im Gesicht und Verletzungen am Kehlkopf davon.

In einer zweiten Anklage wird dem 29-Jährigen versuchte Nötigung zur Last gelegt. Im August vorigen Jahres soll er aus dem Maßregelvollzug eine Art Bombenattrappe, Oberstaatsanwältin Ramona Schlüter nannte es eine "Konstruktion", ans Landgericht Stendal gesandt haben. In der Postsendung befanden sich mehrere mit Klebeband verklebte Stifte, eine Uhr und lose, teils abisolierte Drähte. Diesmal sei es eine Attrappe, stand auf einem beiliegenden Zettel. Beim nächsten Mal werde er, sofern er nicht aus dem Maßregelvollzug entlassen werde, keine Nachbildung schicken. "Dann wird das Gebäude nicht mehr lange stehen", zitierte der Vorsitzende Richter Ulrich Galler aus dem Zettel.

Angeklagter bereits wegen Körperverletzung verurteilt

Derzeit sitzt der Angeklagte, der vor dem Landgericht zu den Tatvorwürfen "erst mal nichts" sagen will, in der JVA Burg eine mehrjährige Haftstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung ab. Dazu war er 2013 - ebenfalls vom Landgericht Stendal - verurteilt worden, weil er schon einmal einen Mitpatienten im Maßregelvollzug attackiert hat. Für die Verbüßung der Haftstrafe ist sein unbefristeter Aufenthalt im Maßregelvollzug unterbrochen worden. Gestern sagten drei teils in Hand- und Fußfesseln vorgeführte Insassen des Maßregelvollzugs zu den Vorgängen in jener Nacht aus, als der Angeklagte seinen Zimmergenossen gewürgt und geschlagen haben soll. Deren Aussagen nach hat der Angeklagte die Tat geplant und angekündigt. Angeblich hatte das spätere Opfer den 29-Jährigen zuvor bestohlen. Einer der Zeugen gab an, dass er dem Angeklagten wenige Stunden vor der Tat ein paar Handschuhe überlassen habe. Eindeutig habe der Angeklagte erklärt, die Handschuhe für den Übergriff auf das Opfer verwenden zu wollen. Er habe daraufhin das Pflegepersonal informiert, das hätte nicht reagiert, so der Zeuge. Das Opfer soll am 25. Februar mit anwaltlichem Beistand als Zeuge aussagen.