Stendal feiert in diesem Jahr den 850. Stadtgeburtstag - und immer mehr Stendaler wollen ihren Beitrag dazu leisten. Zu ihnen gehört Goldschmiedemeister Detlef Roever, der gleich mehrere Ideen hat.

Stendal l Von der Diskussion der vergangenen Wochen und dem indirekten Aufruf von Wolfgang List zum Mitgestalten des Festjahres hat sich Detlef Roever sofort angesprochen gefühlt. "Denn Mitglieder meiner Familie haben von den 850 Jahren stolze 200 Jahre Stadtgeschichte aktiv mitgestaltet", sagt der Goldschmiedemeister. Darum sieht er es als Fortsetzung der Familientradition an, sich mit Aktionen am Jubiläumsjahr zu beteiligen, "so wie das mein Vater vor 50 Jahren auch gemacht hat".

"Meinen Beitrag als Stendaler möchte ich auf drei Füße stellen", kündigt Detlef Roever an. So wird er kostenlose Führungen zur astronomischen Uhr in der Marienkirche anbieten. Wie schon seine Vorfahren kümmert sich der Goldschmiedemeister um diese historisch wertvolle Uhr aus dem Jahr 1552. Wann genau er zu diesen Führungen einlädt, steht noch nicht fest. "Zur Zeit der Sonnenwende wäre ganz passend", sagt der Stendaler. Er könne sich aber auch andere Termine vorstellen, zum Beispiel während der von der Kaschade-Stiftung initiierten Lichttage im Oktober. Dann soll es auch Lichtkunst in der Marienkirche geben (wir berichteten).

"Es werden Stücke gezeigt, die sonst nicht zu sehen sind"

Ein zweites Vorhaben: Im Schaufenster seines Geschäftes an der Marienkirchstraße möchte Detlef Roever ausgewählte Leihgaben und Stücke aus seinem Privatbesitz zeigen, die letztmalig zur 800-Jahr-Feier oder sogar noch nie gezeigt worden sind. Auf jeden Fall Erinnerungsstücke, "die sonst nicht zu sehen sind". Derzeit ist der Goldschmiedemeister dabei, diese Arbeiten zusammenzutragen.

Dazu gehört zum Beispiel das von Oskar Roever im Jahr 1946 gemalte Stendaler Rathaus - übrigens mit monochromer Fassade dargestellt, wie sie aktuell wieder entstanden ist und für Diskussion sorgt. Stolz ist Detlef Roever aber auch auf eine Darstellung Stendals, von der Süd-Südwestseite der Stadt aus gesehen. Geschaffen wurde sie 1857 von Oscar Schreck, dem Sohn des Firmengründers und damit einem weiteren Vorfahren des jetzigen Inhabers. Auf dieser Darstellung ist die Jacobikirche ohne Turm zu sehen. Erstmalig zeigen möchte er außerdem ein unfertiges Kupfer-Galvano des Stendaler Rolands.

Und dann liegen da auch noch die 16 Fliesen bereit, die einst als Bild auf einem Tisch gelegen haben - in der Mitte das Stendaler Wappen, ringsum das Rathaus, die beiden Tore und der Stadtsee. Also muss das Fliesenbild aus der Zeit nach Mitte der 1930er Jahre stammen, als der Stadtsee angelegt worden war. Zu diesen ersten Stücken sollen noch einige weitere kommen. Vermutlich zum Rolandfest Anfang Juni soll die Schaufenster-Ausstellung zu sehen sein. Denn für den kommenden Monat ist das Schaufenster schon mit einem anderen Vorhaben belegt: einer Ausstellung mit Stücken zur Stendaler Sportgeschichte. Damit möchte Familie Roever die Aktion "Rettet das Jahn-Denkmal" unterstützen.

"Bewohner, bereichert ein Bürgerfest mit kostenlosen Aktivitäten"

"Die Sportvereine haben uns groß gemacht", schaut der Inhaber auf die Geschichte der Firma, die 2016 ihr 175-jähriges Bestehen feiert. Und fast von Anfang an gehören Sportvereine zu den treuen Kunden. Wie das Geschäftsbuch belegt, wurde im Jahr 1843 der erste Sportauftrag ausgeführt. Seither fertigt das Unternehmen Pokale, Erinnerungsnadeln, Medaillen und mehr für die Vereine der Stadt. Einiges davon soll im März gezeigt werden, um die Jahn-Denkmal-Aktion bekannter zu machen. Wie berichtet, wird in einer Privatinitiative Geld gesammelt, um das Denkmal am Hölzchen zu sanieren.

"Nicht nur nehmen, sondern auch geben" - das ist die Devise Detlef Roevers nicht nur für sein Engagement für das Jahn-Denkmal und damit den Stendaler Sport, sondern auch für das Stadtjubiläum. "Den Aufruf von Herrn List möchte ich gern wiederholen: Bewohner dieser Stadt, gestaltet und bereichert ein Bürgerfest mit kostenlosen Aktivitäten!"

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