An der Comenius-Sekundarschule Stendal ist derzeit regelmäßig die Autorin Karen Galster zu Gast und betreut eine "Schreibwerkstatt". Mit Geld vom Land sind an Ganztagsschulen solche Zusatzangebote möglich.

Stendal l "Einen großen Roman" will die zwölfjährige Tina Torge schreiben. Den Anfang hat sie schon zu Papier gebracht. Es soll um ein Sonnenamulett gehen. "Die Idee hab ich von einem Spiel, aber ich erfinde die Geschichte neu", lässt sich Tina noch entlocken, bevor sie sich wieder über ihr Blatt beugt. Auch Johannes Lippmann ist eifrig am Schreiben. Der Zwölfjährige hat sich eine Drachengeschichte ausgedacht, in der zudem "eine blaue Elementarkugel" eine Rolle spielt. Das Erfinden und Schreiben von Geschichten macht den Kindern Spaß, das merkt man sofort. Da wird nicht lange auf dem Stift gekaut oder in die Luft geguckt, sondern eifrig losgeschrieben.

Zusammenarbeit auch mit Akademie und Theater

Etwa 20 Kinder aus fünfter und sechster Klasse sind es, die sich alle zwei Wochen montags zur "Schreibwerkstatt" treffen. So heißt das zusätzliche Nachmittagsangebot in der Comenius-Sekundarschule, bei dem kein Lehrer die Aufsicht hat, sondern eine Schriftstellerin.

Und die sitzt natürlich nicht vorn am Lehrertisch, sondern geht durch die Reihen, schaut hier auf einen Text, gibt da einen Hinweis, stellt eine Idee auch mal in Frage. "Die Kinder lassen ihre Fantasie spielen, aber es kommt auch ganz viel aus ihrem Alltag in den Geschichten vor." Gezeichnet wird auch, so dass gegen Ende des Schuljahres ein eigenes Buch mit Illustrationen der Kinder entstehen kann.

Für die Arneburger Autorin Karen Galster ist ihr Einsatz an Schulen schon liebgewordene Routine. Für die Comenius-Sekundarschule ist die Zusammenarbeit mit ihr hingegen ganz neu. Seit Oktober vorigen Jahres ist die 38-Jährige alle zwei Wochen an einem Nachmittag in der Ganztagsschule zu Gast. Und eben nicht, um vorzulesen, sondern um Schüler beim Schreiben anzuleiten. "Ich bin froh, dass wir diese Möglichkeit haben, denn für den Deutschunterricht ist so etwas eine ganz tolle Bereicherung", sagt Schulleiterin Heidemarie Henning. Möglich ist das Ganze, weil es vom Land über ein Sonderprogramm zusätzliches Geld gab: Die Comenius-Schule hat für zwei Jahre rund 12000 Euro zur Verfügung.

Das Land hat diese zusätzlichen Mittel ausschließlich öffentlichen Ganztagsschulen zur Verfügung gestellt "für außerunterrichtliche schulische Projekte, ergänzenden Einsatz von Experten sowie spezifische Fortbildungen". Den Schulen werde dadurch "die Möglichkeit eingeräumt, das Ganztagsangebot quantitativ und qualitativ zu erweitern".

Weitere Kooperationen in diesem Zusammenhang hat die Comenius-Schule zum Beispiel mit der Berufsbildungsakademie Altmark, die den Schülern Berufsorientierung im Kfz-Bereich bietet, mit einer englischen Theatergruppe, die einen Workshop veranstaltet, und auch das renommierte Künstlerduo "Rose Georgi" kam im Rahmen des Deutschunterrichts zum Einsatz, als es um Fabeln und Balladen ging.

Die Schüler bekommen auf diese Weise spannende Einblicke in Berufe und Anstöße, ihre eigenen Talente zu entdecken. Die Autorin Karen Galster sieht sich dabei auch nicht nur als Wissensvermittlerin. "Ich nehme dabei ganz viel für mich mit, sehe, womit sich Kinder beschäftigen und erfahre so ganz nebenbei, was ich in meine eigenen Kinderbücher aufnehme, ohne an den Lesern vorbeizuschreiben."