Gewohnheiten sind nett, angenehm, passabel. Und sie sind dazu da, durchbrochen zu werden. Das Leben lehrt uns dies immer wieder, und auch, dass es nicht schaden kann, sich bewusst neuen Hindernissen zu stellen.

An dieser Stelle dürfen sich nun Radfahrer, Kinderwagen- und Rollatorschieber angesprochen fühlen, ihr Tun im obigen Sinne zu überdenken. Sie sind es gewohnt, Radwege oder sich zu Rampen verschrägende Fußwege zur bequemeren Bewältigung von Höhenunterschieden beziehungsweise Treppen zu nutzen. Damit ist es zumindest in der Prinzengasse vorbei. Wer diesen Weg, so rein aus Gewohnheit, einschlägt, hat seit vier Wochen die Chance, Armkraft oder wahlweise Einfallsreichtum zu trainieren. Seither nämlich versperrt eine rot-weiße Absperrbake oben und eine unten die Rampe.

Man kann Rad oder Kinderwagen also entweder die, zugegeben, nur drei Stufen hochheben oder auf der schrägen schmalen Kante seitlich balancieren. Geht schon mal. Rollator-Akrobaten dieser Couleur wurden noch nicht gesichtet.

Wer den Ort des baulichen Nicht-Geschehens genauer examiniert, stellt auch den Grund für die Sperre fest: Die Mauer des angrenzenden Grundstücks hat einen dicken Riss, wölbt und neigt sich gen Rampenweg. Könnte also demnächst ein- und umstürzen.

Könnte. Man weiß es nicht. Aber man wartet ab. Das Bauaufsichtsamt der Hansestadt Stendal hat den Bereich abgesperrt und den Eigentümer am 30. Januar über den Bauschaden informiert, heißt es auf Volksstimme-Nachfrage aus der Pressestelle der Stadt.

Tja, man fragt sich nun: Was macht der Eigentümer wohl mit dieser Information? Vielleicht sitzt er ja in seinem Garten, gemütlich zurückgelehnt auf einem Stuhl, die Füße an der Mauer abgestützt, und wundert sich, wovon die Rede ist... Nora Knappe