So faszinierend und aufschlussreich die Antike auch ist - einigen scheint sie dennoch staubtrocken. Bei der nächsten Sonderausstellung im Winckelmann-Museum zeigt sich die Antike von einer ganz anderen Seite: humorvoll, ironisch, erotisch.

Stendal l Eine ganze Ausstellung, die im Grunde aus einem einzigen Bild besteht - nur eben in unzähligen Varianten, Interpretationen und Kunsttechniken. Das Urteil des Paris, diese berühmte Episode aus der griechischen Mythologie - die sogar Auslöser des Trojanischen Krieges gewesen sein soll -, ist Gegenstand der nächsten Sonderausstellung im Winckelmann-Museum, die am 21. März eröffnet wird. Es sind ironische, teils laszive, teils sehr erotische Darstellungen eines Themas, das sich um Schönheit, Liebe, Zank und Zwietracht dreht. Hauptpersonen der Bilder sind stets drei nackte Damen und ein nackter Herr. Und ein Apfel kommt auch darin vor.

"Der Mythos des Paris-Urteils beflügelt die Phantasie der Künstler bis heute", sagt Kuratorin Kathrin Schade von der Winckelmann-Gesellschaft. Der junge trojanische Prinz Paris sollte beim Schönheitswettbewerb zwischen den drei mächtigsten olympischen Göttinnen entscheiden. Er wählte die Liebesgöttin Aphrodite, nachdem diese ihm Helena - die schönste Frau der Welt - versprochen hatte. Helena allerdings war verheiratet und musste also erst noch entführt werden. Und so löste der nichtsahnende Paris versehentlich den Trojanischen Krieg aus.

Typisch für Ausstellungen im Winckelmann-Museum ist, dass sie meist in irgendeiner Art und Weise mit Winckelmann beziehungsweise im weiteren Sinne mit der Antike zu tun zu haben. Das ist mit dem Paris-Urteil durchaus erfüllt. Antike-Müde kann Kathrin Schade aber schon im Vorhinein aufmuntern: "Die Antike ist in dieser Ausstellung nur der Aufhänger. Die meisten Darstellungen, die es hier zu sehen gibt, sind modern interpretiert, einige Künstler haben das Thema karikiert oder ironisch umgesetzt. "Sie werfen einen ganz persönlichen, manchmal nachdenklichen, manchmal heiteren Blick auf das Grundthema", sagt die Kuratorin, die derzeit mit der Zusammenstellung der Bilder im Winckelmann-Museum beschäftigt ist. "Und teilweise auch einen nicht ganz jugendfreien Blick."

"Die Künstler interpretieren das Thema nachdenklich, heiter und teilweise nicht ganz jugendfrei."

Die 80 Großgrafiken und über 120 Exlibris-Miniaturen sollen in Themenkomplexe wie "Erotisches", "Zankapfel", "Frauenbild" oder "Karikaturen" gefasst werden. Die erstmals der Öffentlichkeit gezeigten Werke stammen allesamt vom Stendaler Arzt Dr. Peter Labuhn. Er hat über Jahrzehnte Grafiken zu diesem Thema gesammelt oder auch Exlibris direkt bei den Künstlern in Auftrag gegeben - darunter sind renommierte Künstler wie Wolfgang Böttcher, Ernst Hassebrauk, Hans Ticha oder Karl-Georg Hirsch. "Hier kann man sehr schön sehen, wie unterschiedlich ein Auftragsthema umgesetzt wird", sagt Kathrin Schade.

Vor allem die zumeist winzigen Exlibris-Blätter sind längere Betrachtung wert, lässt sich in ihnen doch oft erst auf den zweiten Blick der Witz entdecken.

"Exlibris, ursprünglich als Bucheignerzeichen entworfen, haben sich vor allem zur Wende zum 20. Jahrhundert zu einer eigenen Kunstform entwickelt", erklärt Schade. "Und da gibt es wie bei Briefmarken eine echte Fan-Gemeinde, die sich leidenschaftlich damit beschäftigt und sich auf Börsen austauscht." Und so ein Exlibris-Fan ist eben auch Peter Labuhn. Der Sammler wird zur Ausstellungseröffnung anwesend sein.

   

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