Zehntklässler am Tangerhütter Landesbildungszentrum (LBZ) haben sich in Sachen Klimaschutz stark gemacht und Mängel an ihrer erst 2009 errichteten Turnhalle dokumentiert. Mit ihren Wärmebildmessungen sei seit Anfang 2014 viel zu wenig geschehen, finden sie. Inzwischen ist die Turnhalle gesperrt, ein Gerichtsverfahren läuft.

Tangerhütte l Am morgigen Freitag wollen zwei Schülerinnen und der Projektleiter der 10. Klasse des Landesbildungszentrums Tangerhütte ihr Schulprojekt bei einer Abschlussveranstaltung der Aktion "Klima-Mobil" in Berlin vorstellen. In den Räumen des Gasometers Berlin-Schöneberg sollen Erfolge und Erfahrungen der aktiven Klimaschulen und Bildungseinrichtungen, zu denen schon seit 2009 auch das LBZ gehört, vorgestellt werden.

Geplant ist dort ein Erfahrungsaustausch zwischen rund 70 Schülern und Lehrern aus allen Teilen der Republik sowie 70 weiteren Gästen aus Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Auch über ihre erst 2009 errichtete Turnhalle, die inzwischen ein Sanierungsfall ist, wollen sie berichten.

Als "Klimadetektive" hatten sich die Schüler der S10K am LBZ Anfang 2014 auf die Suche gemacht und unter anderem die 2009 neu gebaute Turnhalle ihrer Schule ins Visier genommen. Dort wurden Wärmebrücken und Feuchtigkeitsschäden dokumentiert und gleich nach dem Projekt ans Landesbauamt weitergegeben. In Zusammenarbeit mit der Firma Fluke, die Wärmebildkameras zur Verfügung stellte, konnten die Schüler den baulichen Zustand einiger Gebäude festhalten.

Ein Fall fürs Gericht

Ein solches Projekt sei einzigartig im Rahmen der Aktion "Klima-Mobil" gewesen, fasst Projektleiter Andreas Rinke zusammen. Auch deshalb wurde die Klasse nach Berlin eingeladen, aufgrund der körperlichen Einschränkungen fahren nur zwei Schüler mit. Ergebnisse und Fragen dokumentierten die Schüler übrigens auch im Rahmen eines Internetauftritts. Doch diese Homepage habe inzwischen geschlossen werden müssen, berichten die Zehntklässler.

Sie sind enttäuscht, denn dafür, dass Feuchtigkeitsprobleme der Halle so lange bekannt waren, sei viel zu wenig geschehen, finden sie. Seit Monaten ist der Zugang zur Halle von Bauzäunen abgesperrt, es scheint sich gar nichts zu tun.

Weil der Ablauf der Gewährleistung drohte, sollen mehrfach Hinweise aus der Schule an die Verantwortlichen im Land gegangen sein, seit November 2013 waren Feuchtigkeitsprobleme an der Halle im Kultusministerium bekannt. Im Juli 2014 erklärte das Ministerium der Volksstimme, die Gewährleistung sei bereits abgelaufen. Zu diesem Zeitpunkt hieß es auch, "die Dachabdichtung wurde fachgerecht ausgeführt" und es gebe "keine Mängel am Dachaufbau".

Ende 2014 wurde die 2009 eingeweihte und rund eine Million Euro teure Halle komplett gesperrt. Im November hieß es aus dem Kultusministerium, dass Sicherheitsbedenken dafür maßgeblich gewesen seien, denn Dach und Dämmung stünden so unter Wasser, dass dieses durch die Filigrandeckenstöße in die Halle tropfe.

Das Finanzministerium, das für das Bau- und Liegenschaftsmanagement des Landes Sachsen-Anhalt (BLSA) zuständig ist, verwies damals auf eine noch laufende Ursachen- und Kostenermittlung. Inzwischen soll durch ein Gericht im Rahmen eines selbständigen Beweisverfahrens ein öffentlich bestellter Sachverständiger mit der Ursachenermittlung beauftragt worden sein. Dieses Verfahren kann einem Hauptverfahren vorgeschaltet werden. Hintergrund ist, dass Mängelansprüche bezüglich der Planung noch nicht verjährt sind. Nun wird geprüft, ob Mängel in der Planung des Turnhallendaches festzustellen sind, dann soll über weitere Schritte entschieden werden.

Erst wenn das Beweisverfahren abgeschlossen ist, sollen Aussagen zu den voraussichtlichen Kosten möglich sein. Beabsichtigt sei, die Sanierungsarbeiten von Juli bis September 2015 durchzuführen, damit die Nutzung der Turnhalle mit Schuljahresbeginn am 27. August abgesichert werden kann, heißt es jetzt auf erneute Volksstimme-Anfrage im Finanzministerium. Voraussetzung für diesen Termin ist aber, dass der Sachverständige seine Begutachtung bis zum geplanten Baubeginn abschließen kann.

Sportunterricht im Flur

Mit der neuen Halle wurden auch moderne Sportgeräte installiert, die nach wie vor in der Halle stehen sollen, Sport gibt es derzeit nur im Schulflur oder einem kleinen Turnraum in der Schule. Dass notenrelevante Sportarten wie Gerätturnen derzeit gar nicht ausgeführt werden können, auch das ärgert die Zehntklässler in Tangerhütte. Immerhin benoten ihre Sportlehrer aushilfsweise andere Dinge.

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