Rund 200 Gäste erlebten am Sonnabend einen Festakt zum 200. Geburtstag Otto von Bismarcks im Musikforum Katharinenkirche. Darunter zahlreiche Nachkommen des Reichskanzlers, denn am Wochenende fand auch das Familientreffen statt.

Stendal l An Otto von Bismarck, der vor 200 Jahren in Schönhausen geboren wurde, erinnerte ein Festakt im Musikforum Katharinenkirche. Staatsminister Rainer Robra (CDU) betonte als Vertreter der Landesregierung die Verbindung der Familie mit der Region über Jahrhunderte. "In der DDR wurde die Entfremdung, die durch die Teilung begonnen hatte, ganz bewusst gefördert", sagte er. Otto von Bismarck sei nur noch als der Wegbereiter der verheerenden ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gesehen worden.

Ehrenbürgerschaft 1872 verliehen

Wie auch in anderen Bereichen der Gesellschaft habe es in den 80er Jahren einen Wandel gegeben. Die 1985 erschienene Biografie "Bismarck. Urpreuße und Reichsgründer" von Ernst Engelberg habe signalisiert, dass etwas in Bewegung gekommen sei. Der zweite Teil, "Bismarck. Das Reich in der Mitte Europas." erschien 1990 im vereinten Deutschland. "Erstaunlich, wie wissenschaftliche Arbeit und politische Entwicklung da zusammengekommen sind", meinte Robra.

Er beschrieb Bismarck als ein "Paradebeispiel für einen Realpolitiker, der es nie an Verantwortungsgefühl vermissen ließ". Natürlich müsse man neben dem positiven wie allgemeines Wahlrecht und Sozialversicherung auch die negativen Seiten wie Kulturkampf und Sozialistengesetze sehen.

Stendals Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) richtete sein Augenmerk auf die Verbundenheit der Familie zur Altmark. So habe Otto von Bismarck am 12. Juli 1874 auf dem Stendaler Bahnhof gesagt: "Der Stadt Stendal, der Hauptstadt der altmärkischen Heimat, möge es stets gutgehen und Gott möge sie bewahren." Die Stadt Stendal hatte ihre Wertschätzung bereits zwei Jahre zuvor ausgedrückt, als sie von Bismarck am 24. Februar die Ehrenbürgerwürde verlieh. Doch Otto von Bismarck war weder das erste noch das einzige Familienmitglied, das seine Spuren in der Altmark hinterließ. Schmotz erinnerte an Nikolaus von Bismarck, der um 1370 das Gertraudenhospital gründete. Außerdem gab es zahlreiche Landräte aus dieser Familie. Er nannte Ludolf von Bismarck, der bekleidete das Amt von 1864 bis 1898. "Ob so eine lange Amtszeit auch heute noch möglich ist, weiß ich nicht, aber das ist ja nicht das Thema", meinte er schmunzelnd. In dieser Zeit seien Straßen ausgebaut, eine Zuckerfabrik und das Borghardt-stift gegründet sowie Erweiterungen und Verbesserungen am Johanniter-Krankenhaus vorgenommen worden.

Familienoberhaupt Ernst von Bismarck konnte sich kurzfassen, "es ist ja schon so viel gesagt worden". Er sprach die Aufmüpfigkeit an, für die sein Vorfahr Ole von Bismarck ein Beispiel gewesen sei. Er gründete eine städtische Schule, weil er die kirchlichen Schulen nicht für effektiv genug hielt. Die Stadt Stendal wurde zur Strafe mit einem Kirchenbann belegt. "Das tut uns leid, aber darunter leiden sie heute nicht mehr", sorgte er für Heiterkeit.

Nach der überzogenen Verehrung Bismarcks Anfang des 20. Jahrhunderts sei es in Ordnung, wenn das Denkmal nun vom Sockel geholt werde, es solle aber nicht gleich zertrümmert, sondern einer fairen Beurteilung unterzogen werden.

Nach dem Festakt wurde im benachbarten Altmärkischen Museum die Ausstellung "Familie im Wandel" eröffnet, die diesen Wandel an den von Bismarcks dokumentiert. Maßgeblich entstanden ist sie unter Mitwirkung von Ernst von Bismarck und Museumsleiterin Gabriele Bark, doch auch andere Familienmitglieder und der Offene Kanal Stendal waren beteiligt. Die Ausstellung, die mit Informationstafeln und Exponaten aus verschiedenen Jahrhunderten ein vielfältiges Bild zeichnet, ist bis zum 21. Juni zu sehen.

 

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