Stendal l Am Koffer hält der Griff nicht mehr, der Wasserkocher hat seinen Dienst eingestellt, am Rekorder ist das CD-Fach defekt, beim Akkuschrauber gibt es ein Problem mit dem Aufladen des Akkus - das sind Beispiele dafür, womit es die Ehrenamtlichen im Repair-Café Woche für Woche zu tun bekommen. Rasentrimmer, Rasierer, Staubsauger, das Fußpedal einer Nähmaschine, ja sogar eine Puppe mit defekten Gliedmaßen hatten Dietrich Zosel und seine Mitstreiter schon auf dem Tisch. In den Anfangswochen wurden so viele Dinge gebracht, dass sogar daheim noch weiter repariert wurde.

"Ja, es läuft sehr gut", schaut Dietrich Zosel auf die vergangenen zwei Monate zurück. Am 22. Januar hatte er im Help-Sozialkaufhaus an der Breiten Straße (gegenüber Ex-Uppstall-Kaufhaus) das Repair-Café eröffnet. Die Idee stammt aus den Niederlanden, mittlerweile gibt es auch in Deutschland viele solcher Angebote.

Wertvolle Rohstoffe sparen

In Sachsen-Anhalt ist das Stendaler Repair-Café bisher das einzige. Er wünsche sich andernorts Nachahmer, sagt Dietrich Zosel und bietet gern seine Hilfe an. Er selbst hatte sich in Wolfsburg darüber informiert, wie so ein Repair-Café funktioniert.

Es geht darum, dass technische Geräte und Gegenstände, wenn sie defekt sind, nicht gleich weggeworfen werden. Manchmal hilft eine kleine Reparatur. Dann muss kein neues Gerät gekauft werden, was am Ende hilft, wertvolle Rohstoffe zu sparen. Und weil nicht jeder handwerklich oder technisch begabt ist, bietet Dietrich Zosel, seit 43 Jahren Ingenieur, gern seine Erfahrungen an. Nicht mehr allein, denn in Elektromeister Manfred Dönhoff, Elektroinstallateur Torsten Treue und dessen Frau Antje hat er verlässliche Partner gefunden, mit denen er an jedem Donnerstag für zwei Stunden das Repair-Café öffnet.

Während sich die Reparateure auf Fehlersuche machen, können die Kunden warten, im Sozialkaufhaus einen Kaffee trinken oder den vieren bei der Arbeit zuschauen, um zu lernen, beim nächsten Mal selbst einen kleinen Defekt zu beheben - damit das Gerät nicht weggeworfen werden muss. Die Reparatur ist kostenlos, eine Spende ist aber immer willkommen, unter anderem für den Kauf von Material.

Mit Werkzeugen helfen

Auch über Werkzeugspenden freut sich Dietrich Zosel. Am Dienstag war er in Bebertal, um eine Spende abzuholen. Wer Werkzeug zur Verfügung stellen möchte, kann sich immer donnerstags zwischen 16und 18 Uhr direkt im Repair-Café oder per E-Mail repcafe.sdl@gmx.de melden.

Zur personellen Verstärkung möchte Dietrich Zosel demnächst bewusst einen handwerklich begabten Asylbewerber gewinnen. Einen, der damit zeigen kann: Er will nicht nur Hilfe vom Staat, sondern sich hier auch unter Beweis stellen.