Im Landkreis Stendal wird mit 60 neuen Flüchtlingen pro Monat gerechnet, möglicherweise werden es mehr. Der Zweiter Beigeordnete Sebastian Stoll sprach im Kreis-Ordnungsausschuss über die aktuelle Situation.

Stendal l Diesmal wählte der Zweite Beigeordnete Sebastian Stoll den globalen Weg. Schon oft hatte er über die Asylbewerbersituation im Landkreis Stendal berichtet. Im Kreis-Ausschuss für Ordnung, Umwelt und Landschaftsschutz präsentierte er weltweite Flüchtlingszahlen. Die größte Gruppe bilden die Syrer mit 9,1 Millionen, insgesamt sind laut den Vereinten Nationen über 30 Millionen Menschen auf der Flucht aus ihrer Heimat. Somit steigt auch die Anzahl der Asylbewerber in Deutschland. Während es vor 20 Jahren noch gut 160000 Menschen waren, die Asyl suchten, waren es im vergangenen Jahr bereits mehr als 200000, für dieses Jahr rechnet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mit einer weiteren Steigerung.

Flüchtlingszahl könnte auf 1000 steigen

Dass die auch im Landkreis Stendal zu registrieren sein wird, war am Dienstag keine Neuigkeit, wohl aber, dass die bislang kalkulierte Zahl von monatlich 60 Flüchtlingen sehr wahrscheinlich überschritten wird, für dieses Jahr mit 1000 Flüchtlingen im Landkreis Stendal gerechnet werden kann. Vor zehn Jahren wurden gerade einmal zehn Asylbewerber pro Quartal im Landkreis aufgenommen.

Zwei bislang verschlossene Aufgänge der Gemeinschaftsunterkunft am Möringer Weg wurden in Vorbereitung des Flüchtlingsstroms geöffnet und sind mittlerweile saniert und bezugsfertig. Damit bietet das Asylbewerberheim 480 Menschen Platz.

Dort wohnen derzeit 297 Menschen. In Wohnungen sind 296 Asylbewerber untergebracht. Deren Anteil muss deutlich steigen, um der Kapazitätsprobleme Herr zu werden. Da ist Stoll optimistisch, es gebe genügend Wohnraum. "Die Gemeinschaftsunterkunft ist aber sehr beliebt, weil sie einzelne Wohnungen hat", erklärte Stoll. Das mache einen besseren Eindruck als Einrichtungen mit langen Gängen. Vor allem für Familien sei das eine angenehmere Atmosphäre.

Kinderbetreuung zumeist erst ab drei Jahren

Die Familien sind es auch, die eine weitere Herausforderung mit sich bringen - ihre Kinder. Stoll präsentierte die voraussichtlichen Zahlen in den jüngeren Altersgruppen. Etwa 200 Kinder bis sechs Jahre werden erwartet. "Unsere Erfahrungen zeigen, dass Kinder erst ab dem dritten Lebensjahr in eine Betreuung gegeben werden, vorher bleiben sie in der Familie", relativierte Stoll. Tatsache bleibt aber, dass durch die zusätzlichen Kinder manche Einrichtungen an ihre Kapazitätsgrenze stoßen werden.

"Da werden Erweiterungsbauten in Leichtbauweise entstehen", kündigte Stoll an. Container sollen also zusätzliche Kita-Plätze bieten. "Wir haben uns schon Einrichtungen in Stendal angesehen, wo das möglich ist, und sind in Gesprächen mit den Trägern, nach Ostern werden erste Baumaßnahmen beginnen", kündigte Stoll gestern gegenüber der Volksstimme an.