Das Ende des 2. Weltkrieges jährt sich diesen Mai zum 70. Mal. Arneburg wurde im April 1945 heftig in Mitleidenschaft gezogen. Es kam zu Gefechten, die mehrere Tage andauerten, ehe am 14. April die Amerikaner das Kommando in der Stadt übernahmen.

Arneburg l "Im Winter 1944/45 kamen vier schwere Eisenbahnflakgeschütze nach Arneburg. Sie verlegten den Fliegern bei ihrer Reise nach der Reichshauptstadt den Weg und schossen viele Flugzeuge ab", heißt es in einem Augenzeugenbericht, abgetippt mit der Schreibmaschine. Wie in diesem Bericht weiter zu lesen ist, wurde diese Tatsache der Stadt Arneburg im April 1945 zum Verhängnis.

Die anrückenden amerikanischen Truppen näherten sich über Hannover der Elbe. Am 11. April drückten Amerikaner über Hämerten und Storkau die deutschen Soldaten nach Arneburg zurück "In den Abendstunden verrieten heftige Sprengungen die Zerstörung der Elbbrücken bei Hämerten und Tangermünde. In der Nacht verteilten die Truppen den Rest ihrer Lebensmittel und richteten sich auf die Verteidigung ein", wird im Augenzeugenbericht beschrieben.

Am 12. April kam es zum Beschuss der Stadt. In Bürs wurden Wohnhäuser und Scheunen "in Schutt und Asche" gelegt. Die amerikanische Infanterie rückte mit Panzerwagen vor und stürmte die Häuser. Die Bewohner mussten sich auf einem Feld versammeln. Mittlerweile erfolgte die Beschießung Arneburgs durch Panzer und Artillerie. Allein auf dem Grundstück der Konservenfabrik waren 50 Treffer zu verzeichnen. Bis 17 Uhr dauerte die Beschießung an.

Die deutschen Eisenbahngeschütze nahmen bald darauf den Kampf wieder auf. "Für Arneburg begann die Schreckensnacht vom 12. zum 13. April." Die Angriffe wurden immer heftiger. Am folgenden Tag ging es weiter. "Am 13. April wurde die Lage für Arneburg gefährlich. Letzte deutsche Soldaten suchten über die Elbe zu setzen. Eine Flakbatterie befand sich auf Eisenbahnwagen montiert außerhalb der Stadt (...). Am Morgen des 13. April begab sich der Bürgermeister der Stadt mit einer Anzahl von Bürgern zu dem Befehlshaber dieser Flakbatterie, um ihn zu bewegen, nicht zu schießen. Diese Bitte wurde abgelehnt und es war daher das Schlimmste zu befürchten", heißt es im Auszug aus dem Sterberegister der Kirchengemeinde Arneburg, geschrieben am 16. April 1945 von Pfarrer Johann Heinrich Voß.

Um die Stadt zu schonen, ordnete der Bürgermeister an, auf allen Häusern die weiße Fahne zu hissen. Der Flakleiter befahl aber, diese sofort zu entfernen. Wer dies nicht befolge, werde erschossen, drohte er. Ohne Rücksicht auf die Bevölkerung begann um 17.30 Uhr das Gefecht. "Die Deutschen eröffneten das Feuer und die Amerikaner antworteten", wie es im Kirchenauszug heißt. In der Nacht sprengten deutsche Soldaten ihre Geschütze und zogen über die Elbe ab. Häuser und Scheunen brannten, auch Fahrzeuge der Wehrmacht.

"Arneburg wurde eine tote Stadt. Der Zutritt war streng verboten"

Am nächsten Morgen berieten Pfarrer und Bürgermeister, was zu tun sei. Die weiße Fahne wurde auf dem Kirchturm gehisst. Ungewiss bleibt, ob die Amerikaner die Fahne nicht sahen oder ob wieder ein Kommando das Symbol des Aufgebens einzog, gegen 9 Uhr wurde erneut geschossen. Gegen 11 Uhr waren erste Amerikaner in der Stadt, die die Häuser nach Soldaten und Waffen durchsuchten. Die Amerikaner besetzten Arneburg.

Amerikanische Panzer standen in den Straßen, Wasser gab es nur stundenweise, elektrisches Licht gar nicht. Schäden haben vor allem die Häuser in Bürs und in der Elbstraße davongetragen. An den Abenden war zu erkennen, dass im Umland im Norden weiterhin Brände aufflackerten. Da vom anderen Elbufer Kämpfe zu erwarten waren, gaben die Amerikaner am 15. April den Befehl, die Stadt innerhalb von zwei Tagen zu räumen. "Arneburg wurde eine tote Stadt. Der Zutritt war streng verboten", ist im kirchlichen Register zu lesen. Die Einwohner wurden zusammengepfercht in den umliegenden Dörfern untergebracht. Zwei Wochen lang war die Stadt leer. Als die Arneburger endlich heimkehren durften, waren noch viele Häuser besetzt, andere geplündert. In der Kirche war jedoch nichts in Unordnung geraten. Flüchtlinge kamen nach Arneburg. Im Mai zogen die Amerikaner ab, Engländer kamen.

Langsam kehrte der Alltag ein. Licht und Wasser waren bald wieder da. In Beelitz wurde ein Kinderheim für elternlose Kinder eingerichtet. Arneburg hatte ein Hilfskrankenhaus.

"Die Alten hielten das nicht aus"

Doch die Sterbeziffer in jenem Jahr zeigt, wie sehr die Bewohner von den Ereignissen mitgenommen wurden. Starben laut Sterberegister in den Jahren 1941 bis 1944 in Arneburg im Schnitt etwas mehr als 30 Leute pro Jahr, sind 1945 121 Erwachsene und 33 Kinder zu verzeichnen. Diese hohe Zahl der Sterbefälle sei zum einen auf den starken Beschuss zurückzuführen. Zum anderen sind es Folgen der Räumung, denn in den Dörfern mussten die Leute in zugigen Ställen und Scheunen schlafen, erklärte Voß. "Die Alten hielten das nicht aus."

Im August/September kamen aus dem Sudetenland Bewohner eines Altersheims. Sie wurden in Baracken ohne Heizung und Fenster untergebracht. Zu Weihnachten kamen Flüchtlinge aus Ostpreußen, "teilweise verhungert und erfroren". Auch in den Folgejahren 1946 (98 Sterbefälle), und 1947 (84) litten die Menschen unter Kälte und Unterernährung, beschrieb Pfarrer Johann Heinrich Voß.