Ab 1974 Pionierhaus, dann Schülerfreizeitzentrum, seit 1991 Jugendfreizeitzentrum "Mitte" - das Alte Dorf 22 ist seit mehr als vier Jahrzehnten eine beliebte Adresse für Kinder und Jugendliche. Denn dort finden sie ganz unterschiedliche Angebote für ihre Freizeit.

Stendal l Wenn Jutta Schönemann durch die Räume führt und begeistert über die Angebote berichtet, spürt man schnell: Sie ist mit Leib und Seele Mitarbeiterin im Jugendfreizeitzentrum (JFZ) "Mitte". Sie gehört nicht nur seit 2002 zum Team, sondern ist seit Jahren Leiterin der Einrichtung.

Vier Festangestellte und eine ABM-Kraft sichern den Betrieb. "Ich mache da aber keine Unterschiede und sage immer: Wir sind fünf Mitarbeiter", erklärt Jutta Schönemann. Denn so sehen es auch die Kinder und Jugendlichen, "die sich selbst ihre Ansprechpartnerin aussuchen". Ihre Mannschaft sieht sie gut aufgestellt: "Ich lege Wert darauf, dass jede die Arbeit der anderen übernehmen kann. Dann muss nichts ausfallen, weil jemand krank ist", sagt die Leiterin. Denn wenn die Jugendlichen kommen, dann wollen sie das Angebot auch "jetzt" wahrnehmen und nicht vertröstet werden, weiß Jutta Schönemann aus jahrelanger Erfahrung. Alle Kollegen können sich dennoch "auf ihren Gebieten ausleben", fügt sie hinzu.

Sie weiß, dass sich die Kinder und Jugendlichen heute schwer für Kurse begeistern lassen, die über mehrere Wochen dauern. Theaterstücke oder größere Projekte seien kaum noch möglich. Aber darauf reagiert das Jugendfreizeitzentrum, "denn in gewisser Weise sind wir ein Dienstleistungsunternehmen", sagt Jutta Schönemann. Beispiel Töpfern: Beim ersten Treffen werden die Stücke angefertigt, beim zweiten Treffen bekommen die Teilnehmer nach dem Brennen ihre fertigen Arbeiten - und haben recht schnell ein Ergebnis in der Hand. Im Jubiläumsjahr 850 Jahre Stadt Stendal soll es unter anderem ein Projekt geben, in dem historische Aufnahmen und die Denkmäler eine Rolle spielen.

Die Mitarbeiterinnen wollen den Kindern und Jugendlichen möglichst viel Freiraum lassen. "Unsere Hausordnung ist der einzige Zwang", sagt Jutta Schönemann. Heißt unter anderem: kein Alkohol und keine illegalen Drogen. Sollte mal jemand alkoholisiert kommen, sich aber ruhig verhalten, kann er bleiben. Dann sei das eher Anlass für die Mitarbeiter, mit dem oder der Jugendlichen darüber ins Gespräch zu kommen - auch als Angebot, außerhalb der Familie oder des Freundeskreises über mögliche Sorgen oder Probleme zu sprechen.

Die Altersspanne der "Kunden" reicht von sieben Jahren (vom Erstklässler) bis zu 27-Jährigen. Die JFZ-Leiterin spricht von "einer guten Mischung", wenn sie ihr Stammpublikum beschreibt. Die Angebote werden von Kindern und Jugendlichen aus sozialschwachen Familien ebenso genutzt wie aus sozialstarken, es kommen Besucher mit und ohne Migrationshintergrund. Es finde "eine zweifache Integration" statt, freut sich die Chefin: die von Migranten und die von benachteiligten Schülern, zum Beispiel aus Förderschulen.

Hauptsächlich wird die Einrichtung von 10- bis 15-Jährigen genutzt, die aus dem gesamten Stadtgebiet kommen. Und auch die "Oldies", die früher ihre Freizeit im JFZ "Mitte" verbracht haben und sich immer gern daran erinnern, schauen gern vorbei.

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