Stendal l Die Polizei hat nach eigenen Angaben nicht den geringsten Anhaltspunkt für den Aufenthaltsort der fünfjährigen Inga, die am Abend des 2.Mai in Wilhelmshof im wahrsten Sinne des Wortes spurlos verschwunden ist.

Die Strategie der Polizei nach zwei Wochen erfolgloser Suche ist es, mit Plakaten und Schilderungen des Falles im Fernsehen bundesweit nach dem Mädchen zu suchen.

Ermittlungsleiter schildert im Fernsehstudio den Fall

Bereits zweimal wurde im MDR bei "Kripo live" gefahndet. Gestern Abend schilderte der Einsatzleiter der Ermittlungsgruppe "Wald", Holger Herrmann (53), im Studio den Fall. Einen weiteren Live-Auftritt wird der Polizist am Mittwoch im ZDF bei "XY Aktenzeichen ... ungelöst" (20.15 Uhr) haben.

"Wir haben uns bewusst beim derartigen Stadium der Ermittlungen entschlossen, so zu verfahren", sagte Polizeisprecher Mike von Hoff am Wochenende. Neben diesen Fernsehfahndungen werde es aller Voraussicht nach keine weiteren Auftritte geben. "Es ist der Versuch, bundesweit und vielleicht sogar europaweit zu suchen", sagte von Hoff. Die Ermittlungsgruppe erhalte aber bereits jetzt schon täglich sehr viele Hinweise, die bearbeitet werden müssen.

Eine erste regionsübergreifende Fahndung war bereits vergangene Woche über sogenannte Screens gelaufen. In 19 Großstädten wurden 297 Bildschirme gebucht, mit deren Hilfe beispielsweise an den Bahnhöfen Personenbeschreibungen zu dem Kind sowie Fakten zum Fall eingeblendet wurden. Unterstützt wird die Polizei dabei von der Initiative "Vermisste Kinder" aus Hamburg.

Initiative "Vermisste Kinder" unterstützt Polizei

"Wir stehen in engem Kontakt mit der Polizei und machen nichts, was die nicht wollen", sagt Initiativchef Lars Bruhns. Die Initiative habe auch 3250Plakate drucken lassen, die von der Polizei ab heute bundesweit verteilt werden (Volksstimme berichtete). Es habe sich sehr schnell herausgestellt, dass es sich bei Inga um einen Fall handele, von dem es jährlich maximal eine Handvoll gebe. Nach Zahlen des BKA gebe es jährlich rund 100000 Vermisstenfälle, sagte Bruhns. 99 Prozent davon würden recht schnell aufgeklärt. "Dies ist ein höchst ungewöhnlicher Fall", sagt Bruhns. Das sei Anlass für die seit 1997 existierende Initiative, sich derart zu engagieren. In Zusammenarbeit mit der Polizei war als erstes eine Website (www.woistinga.de) auf den Weg gebracht worden. "Es gibt in solchen Fällen immer Menschen, die versuchen die Deutungs- und Infor- mationshoheit zu gewinnen", sagte Bruhns. Dies sei durch soziale Netzwerke durchaus möglich. "Man habe der Polizei empfohlen, selbst initiativ zu werden."

Über das Internet hatten sich in der Tat zahlreiche Gerüchte und Halbwahrheiten verbreitet. Einen Hinweis, dass ein Jäger das Kind in der Nacht des Verschwindens, im Wald gehört haben will, hat die Polizei immerhin bestätigt. Der Mann hatte sich bei der Polizei zu einem Zeitpunkt gemeldet, als das Verschwinden des Mädchens noch gar nicht öffentlich bekannt war. Andere Hinweise, wie die nach einem schwarzen Auto oder einem Wolf konnten nicht erhärtet werden. "Wir prüfen alles", sagte von Hoff.

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