Otto von Bismarck war schon zu Lebzeiten Kult. Einige Zeitgenossen verehrten ihn mit teuren Geschenken, andere machten ihn zum Inhalt politischer Satire. Wie präsent der "Reichsgründer" in seiner eigenen Zeit war, zeigt das Bismarck-Museum in Schönhausen.

Schönhausen l Schon zu Lebzeiten ein Museum zu bekommen, ist nur wenigen vergönnt. Otto von Bismarck gehörte zu den wenigen. Denn schon 1891, ein Jahr nach seinem Rückzug aus der aktiven Politik und sieben Jahre vor seinem Tod, wurde in seinem Geburtsort Schönhausen ein Museum zu seinen Ehren eröffnet: im Schönhauser Schloss II. Bis 1948 wurden dort hauptsächlich Dinge gezeigt, die der Eiserne Kanzler vor allem in seinen letzten Lebensjahren geschenkt bekommen hatte. Auch wenn der damals in Friedrichsruh lebende Bismarck mehrfach Schönhausen besucht hat, wo er am 1. April 1815 geboren worden war, ist nicht überliefert, ob er selbst einmal das von der Familie eingerichtete Museum mit seinen später mehr als 2500 Stücken besucht hat.

Die schönsten Stücke der Sammlung wurden 1895 in Berlin gezeigt, im Konzerthaus an der Leipziger Straße. Im Gästebuch sind fast 9500 Besucher eingetragen. Die konnten sich den Besuch der Ausstellung übrigens schriftlich bestätigen lassen. Das Gästebuch, das im Besitz der Bismarck-Stiftung Friedrichsruh ist, zeigt: Deutschlandweit war das Interesse an der Person Otto von Bismarcks groß, Touristen nahmen weite Anreisen auf sich.

Das Geburtshaus Bismarcks in Schönhausen steht jetzt nicht mehr, es wurde 1958 gesprengt. Ein Museum gibt es seit 1998 aber wieder im verbliebenen Schlossflügel. Auch heute werden dort Schätze aus dem alten Museum gezeigt. "Diese Fülle an Geschenken ist schon etwas Besonderes", sagt Dr. Andrea Hopp, Leiterin der Otto-von-Bismarck-Stiftung Schönhausen. Geschenke vom König und späteren Kaiser, vom russischen Zaren und anderen Regenten, aber auch von Verehrern aus dem Ausland, von Militärs, von Vereinen und Berufsverbänden sind darunter, viele überreicht und übersandt anlässlich von runden Geburtstagen. Vieles davon ist in der oberen Etage des Museum zu sehen.

Doch bevor der Besucher dorthin kommt, steht er inmitten der Bismarckschen Familiengeschichte. Denn im Erdgeschoss ist bis zum Jahresende die Sonderausstellung "Herkunft und Familie" zu sehen. Sie deckt in einer dreigeteilten Ausstellung zum 200. Geburtstag Otto von Bismarcks den Bereich Familie ab. Um Bismarcks Politik geht es im Museum Bad Kissingen, um den Mythos Bismarck in Friedrichsruh.

Für die Ausstellung haben die Schönhauser einen Raum im Stil eines ländlichen Herrenhauses nachempfunden, haben mit passendem Mobiliar eine stimmige Atmosphäre geschaffen. Die Wände sind mit Ahnenporträts und Jagdtrophäen - sie durften in einem Schloss auf dem Lande nicht fehlen - geschmückt. Mittelpunkt des Raumes ist als Leihgabe eine Urkunde aus dem Jahr 1571, die den von Bismarcks das Lehen Schönhausen bescheinigt und mit kurfürstlichem Siegel versehen ist. Bekommen hatte die Familie das Gut im Ostelbischen im Jahr 1562 im Tausch gegen das Gut Burgstall. Ein Stammbaum benennt die Familienmitglieder zwischen 1200 und 1992, Gemälde und Fotos erzählen die Baugeschichte von Schloss Schönhausen. Wer mehr über die Geschichte des Herrenhauses erfahren und die Originalstimme Otto von Bismarcks (aufgenommen im Oktober 1889) hören möchte, kann dies an einem modernen Medienterminal mit Monitor und Kopfhörer. Per Knopfdruck lassen sich Informationen zu verschiedenen Themen abrufen. Dieses Informationsangebot im Foyer ist ganz neu im Bismarck-Museum.

Eine Treppe hinauf, vorbei an Bergungsfunden aus dem gesprengten barocken Gebäude, geht es dann zur Ausstellung "Geschenkt: Das Schönhauser Bismarck-Museum von 1891 und seine Schätze". Glückwunschadressen, Ehrenbürgerurkunden, Ehrenteller, Statuen, Gemälde, Vasen, Büsten, ein Lichtschirm aus Elfenbein, Bierseidel, Medaillen, aber auch Halsbänder für seine Hunde und die im Park stehenden Kanonen - Otto von Bismarck ist reich beschenkt worden.

Eine Kupferkanne ist darunter, die 1893 auf der Weltausstellung in Chicago im deutschen Pavillon gezeigt worden war. Gefertigt hat sie ein Münchener Kupferschmied. Ein Bayer macht dem Preußen ein Geschenk - wie bei vielen Stücken ist der politische Bezug erkennbar, hier der zur Reichseinigung. Gegenüber ist Bismarck als Reichsfassbinder zu sehen. Begleitet vom Text "Ob er es schafft? Er hat es geschafft!" setzt er die mit den Namen der deutschen Lande versehenen Dauben zum Reichs-Fass zusammen. Die Germania und die Siegessäule bekam er als Modell vom Kaiser geschenkt, ein Modell des Niederwalddenkmals, ein Krug vom russischen Zaren, ein Zierteller vom mexikanischen Gesandten, der Gast auf Schloss Schönhausen war, Glückwunschpost zum 80. Geburtstag aus Buenos Aires und vieles mehr gehören zur Sammlung. Einer Sammlung, die Andrea Hopp immer wieder begeistert und die sie als "wunderschön" bezeichnet.

Auf vielen der Geschenke ist von Bismarck selbst zu sehen, meist in Uniform. Für den Eisernen Kanzler gehörte sie einfach dazu, und darum gehört auch eine seiner Galauniformen ganz einfach zur Ausstellung dazu. Mehr als 100 Stücke werden gezeigt, die den Zeitgeist widerspiegeln, den damaligen Geschmack. Stücke, die kunsthandwerklich beeindruckend sind und zum Teil Einblicke gewähren ins Privatleben des Staatsmannes. Die Ausstellung lädt aber auch ein, sich dem politischen Wirken Otto von Bismarcks mal auf einem anderen Weg zu nähern. Kurz gesagt: Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall!

   

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