Das TdA blickt schon jetzt auf die neue Spielzeit voraus, denn der Auftakt soll Anfang September in Form eines Festivals unter dem Motto "Angst(frei)" erfolgen. Die Stendaler – Privatpersonen wie Initiativen – sind eingeladen, sich mit Ideen oder eigenen Beiträgen einzubringen.

Stendal. Die Deutschen haben Angst. Angst vor steigenden Lebenshaltungskosten und Angst vor Naturkatastrophen. Und am allerängstlichsten sind die Sachsen-Anhalter, die die Sorge um den eigenen Job umtreibt. Das ist das Ergebnis einer bundesweiten Langzeitbeobachtung der R&V-Versicherung – der sogenannten Angst-Studie.

"Angst ist jedoch ein schlechter Begleiter, verhindert gesellschaftliche Teilhabe und schafft Isolation", findet TdA-Intendant Dirk Löschner und packt das Thema daher frischen Mutes an. Zu Beginn der nächsten Spielzeit, also im September, soll in Stendal ein "Angst(frei)-Festival" stattfinden. "Wir möchten dem Phänomen Angst mit einer theatralen Recherche auf den Grund gehen", so Löschner. Ausgangspunkt ist neben besagter Angst-Studie der zehnte Jahrestag der Anschläge vom 11. September. Wie das Festival, das in der Woche vom 3. bis 11. September stattfindet, im Einzelnen aufgebaut sein soll, erklärte Löschner gestern.

Wichtigste Säule sind die "Angsträume": die Zellen der leerstehenden ehemaligen JVA werden zu Spiel-, Performance,- Installations- und Ausstellungsräumen. Profis und Amateure können sich hier einbringen, auch zwei Theaterstücke sollen aufgeführt werden.

Für die Aktion "Gesicht zeigen" werden Stendaler nach ihren Ängsten befragt. In einer Freiluftausstellung mit großformatigen Fotos werden sie mit ihrem Gesicht für ihre Ängste einstehen, sie öffentlich machen.

Schließlich werden in Form des "Unsichtbaren Theaters" mitten auf öffentlichen Plätzen "Dinge geschehen, die ungewöhnlich sind", formulierte es Chefdramaturg Sascha Löschner bewusst vage. Denn diese Aktionen sollen nicht als Theater wahrgenommen werden und so authentische Reaktionen hervorrufen.

Schulen, Vereine, Jugendclubs und andere Einrichtungen werden schon jetzt kontaktiert, um das Projekt vorzustellen und Lust aufs Mitmachen zu wecken. Aber auch Migranten sollen erreicht werden, da sie besonders von Isolation und Angst betroffen seien. Künst-lerischer Leiter des Ganzen ist der freischaffende Theaterregisseur Ludger Lemper, der, wie er sagte, einen unvoreingenommenen Blick auf Stendal und seine Bewohner habe, weil er nicht von hier ist.

Unterstützung bekommt das TdA von der Kulturstiftung des Bundes, die unter dem Titel "Heimspiel" einen Fonds eingerichtet hat. Vier Theater bundesweit werden damit gefördert, um Projekte durch- zuführen, die sich "mit der urbanen und sozialen Realität der Stadt und der Regionen auseinandersetzen".

"Heimspiel heißt für uns, dass das Theater aus seinem Raum heraus- und mit dem Publikum in Kontakt tritt", sagt Dirk Löschner. "Und wir rufen die Menschen dieser Stadt dazu auf, sich zu beteiligen, öffentlich für ihre Meinung einzustehen. Gern auch unkonventionell oder politisch unkorrekt, aber auf jeden Fall: ehrlich."

Kontakt über Ludger Lemper Tel.: (01 75) 86 06 409 E-Mail: angstfrei@tda-stendal.de