Die Bundeswehr verändert sich; bis auf weiteres wird es keine Wehrpflichtigen geben. Hat das auch Auswirkungen auf den Stendaler Standort der Wehrdientsberatung? Wird es auch hier Aufgabenänderungen geben? Nein und ja, erklären die altmärkischen Wehrdienstberater und ihr nächster Vorgesetzter aus Berlin.

Stendal. Die Wehrdienstberatung bleibt, wo sie ist und wie sie ist. Punkt. "Ja, es herrscht oft eine falsche Vorstellung darüber, was die Kollegen hier machen", sagt Norman Palubitzki und kann sich ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen. "Mit Wehrfplichtigen hatten wir bisher nur am Rande zu tun, das lief über die Kreiswehrersatzämter", erklärt der Hauptmann von der Bundeswehr in Berlin. "Unsere Kernaufgabe ist die Beratung über den freiwilligen Dienst in den vier Laufbahnen Mannschaft, Fachunteroffizier, Feldwebel und Offizier. Und daran wird sich nichts ändern." Wer also seine berufliche Zukunft bei der Bundeswehr sieht, kommt an den Beratern kaum vorbei.

Seit 1990 gibt es die Wehrdienstberater in Stendal, die für die Kreise Stendal, Salzwedel und Prignitz zuständig sind. Däumchendrehen ist kein Thema, zu tun gibt es genug. "Wir sind viel in Schulen zu Vorträgen unterwegs, sind auf Bildungsmessen oder Sportveranstaltungen präsent oder werben für uns auf eigenen Veranstaltungen", erklärt Hauptfeldwebel Heike Jähnel.

Die 35-Jährige ist seit sieben Jahren Wehrdienstberaterin. Zuerst hatte sie eine Karriere als Sportsoldatin zum Ziel. Der Sport zog dann aber den Kürzeren, übrig blieb das Militär. "Ich habe mir nie was anderes gewünscht, es ist ein Beruf mit vielseitigen Perspektiven. Ohnehin komme ich aus einer uniformierten Familie." Wenn ihr derzeitiger Job, der zeitlich begrenzt ist, am Ende des Jahres abläuft, weiß sie schon, wie es weitergehen könnte: in der Personalführung in der Sportfördergruppe. Da wäre sie dann doch noch bei ihrem ureigenen Berufswunsch.

Dass die Bundeswehr genau der richtige Arbeitgeber ist, davon ist auch ihr Kollege Ingo Schulz (37) überzeugt. Der Hauptfeldwebel hat einen halbjährigen Einsatz im Kosovo hinter sich, ist seit einem halben Jahr im Team der Wehrdienstberater und von Beruf Gas-Wasser-Installateur. Die Arbeit im Büro am Westwall sei für ihn eine schöne Herausforderung. "Wenn die jungen Leute zu uns kommen, ist da im ersten Moment viel Unbekanntes. Aber wenn sie wieder gehen, haben sie einen Stapel Informationsmaterial und wir können sie schon besser einschätzen."

Zwar machen Jähnel und Schulz keine leistungsmäßige oder gar psychologische Begutachtung. Dafür gibt es die Einstellungstests an zentraler Stelle. Aber neben der Berufs- beratung in eigener Sache leisten die beiden zuweilen auch Lebensberatung. "Bei manchem sagen wir: Deine Noten müssten noch besser werden, komm doch später nochmal wieder", sagt Heike Jähnel. Und manch ein junger Mann oder eine junge Frau sieht womöglich am Ende der Beratung doch die eigene Zukunft woanders.

Und auch mit manchem Missverständnis müssen sie und ihr Kollege aufräumen. Der Beruf des Soldaten ist mit vielen Klischees behaftet, aber auch über die genaue Ausbildung, die Art der Tätigkeit und die Voraussetzungen macht sich mancher ein falsches Bild. "Wer sich für oder letztlich auch gegen die Bundeswehr entscheidet, soll das aus gutem Grund tun und nicht auf falschem Wissen oder Vorurteilen beruhend", sagt von Palubitzki und stellt klar: "Auslandseinsätze sind bei uns kein Werbefaktor, aber sie gehören zum Beruf des Soldaten dazu. Dessen sollte sich jeder Interessent bewusst sein."

Und wer sich darauf aufbauend beraten lassen will, kontaktiert Heike Jähnel oder Ingo Schulz im Büro am Westwall 18. Mehr Interessenten als bisher müssen es auf jeden Fall werden. Denn mit dem Wegfall der Wehrpflicht gibt es auch keine jungen Menschen mehr, die sich aus dem Freiwilligendienst heraus für eine Laufbahn entscheiden. Da haben die Wehrdienstberater also auch in Zukunft gut zu tun. Sie vertrauen dabei nicht nur auf die eigene Begeisterung für ihren Beruf, sondern auch auf den guten Ruf, den sie hier offenbar zu haben scheinen. "Anfeindungen erleben wir nicht", sagt Jähnel. "Im Gegenteil, die Bevölkerung ist an unserer Arbeit interessiert."

 

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