Stendal. Könnte man die Drei-Bilder-Serie "Zauberwald" so deuten: in drei Schritten vom Gegenständlichen zum Abstrakten? "Man könnte", sagt Martina Nielitz. Und fügt lachend hinzu: "Aber das dritte Bild habe ich zuerst gemalt." Neben der Metamorphose des Waldes von konkreten Baumgebilden zu Formen, die nur noch entfernt an Bäume erinnern, beeindruckt die kleine Serie auch durch ihre Plastizität. Die Künstlerin hat die Stamm- und Astformen zunächst aus einer Art Knüllpapier modelliert, bevor sie mit Ölfarbe darüber malte und ihren Bildern damit die dritte Dimension gab.

Die Ascherslebenerin Martina Nielitz, die am Dienstag-abend ihre Ausstellung "querbeet" im Kunstkabinett der Stendaler Volksbank eröffnete, schreckt vor keiner Maltechnik zurück, und sei sie noch so aufwendig. Ihre kleine Werkschau in Stendal illustriert das eindrucksvoll. Begonnen hatte alles vor neun Jahren mit der Pastellmalerei. Dazu war sie von Christiane Knüpfer angeregt worden – auch eine malende Ascherslebenerin, die 2007 im Kunstkabinett im Birkenhagen ausstellte und am Dienstag zur Vernissage wieder nach Stendal gekommen war.

Jetzt sei sie ein bisschen ab von der Pastellmalerei, erklärte Martina Nielitz. Im Gegensatz zu den relativ dicken Pastellkreidestiften könne sie mit Öl mehr experimentieren, könne mit verschiedenen Untergründen raffinierte Wirkungen erzielen. Und diese Untergründe haben es in sich. Ein tiefgründiges Leuchten wie in dem Stillleben mit Obst und Wein in der Manier der Alten Meister erreicht sie zum Beispiel durch Schichtenmalerei. In dem Bild "türmen" sich bis zu 30 Schichten übereinander: Ölfarbe, Eitempera, Weiß und wieder Öl und so weiter. Für ein solches Bild braucht sie manchmal Jahre, denn jede Schicht muss bis zu zwei Wochen trocknen, bevor sie die nächste aufnehmen kann.

Martina Nielitz, die – ganz und gar nicht künstlerisch – als Versuchsingenieur in einem Forschungsinstitut für Pflanzenzüchtung in Quedlinburg arbeitet, sieht durchaus Parallelen zwischen ihrem Hobby und ihrem Beruf. "Bei der Arbeit im Labor muss ich genauso penibel und geduldig sein wie beim Malen", sagt sie.

Die Dekalkomanie ist auch so eine Technik, die ihre Geduld, aber auch Witz und Phantasie fordert. Dabei trägt sie flüssige Farbe auf eine Glasplatte auf und bedruckt damit Papier. Je nach Auftrag und nachträglicher Verfremdung erzielt sie damit mehr oder weniger gegenständliche oder abstrakte Resultate in überraschenden Farbmischungen.

Die Ausstellung "querbeet", obwohl wegen Umbauarbeiten im Obergeschoss der Volksbank relativ klein, wird ihrem Titel gerecht. Sie zeigt einen repräsentativen Querschnitt des in Stil und Technik überaus vielfältigen Schaffens von Martina Nielitz.